Sonntag 7.1.2024 Fahrt nach Chi Kraeng (40 km)

🩄 Ponypapers

Zugegeben: Ich bin eher ein widerwilliger Lerner. Bei diesen Dachbalken muss man den Kopf einziehen? Andere lernen dies beim ersten Stoß, ich kann dafĂŒr ein halbes Jahr benötigen. Diese gewisse SchwerfĂ€lligkeit, die sich gegen Praxis & Erfahrung strĂ€ubt, betrifft auch Orientierung, Vokabeln & die Frage, mit wieviel Chili mein Magen noch einwandfrei lĂ€uft.

Habe ich es aber einmal gelernt, nein, besser noch verinnerlicht, integriert, also förmlich gefressen, dann liegts in den grauen Zellen und will sie nicht mehr verlassen, unabhĂ€ngig von TrivialitĂ€t oder gar Überholtheit.

FĂŒr immer also gewiss das Federvieh – budgy und perroquet – den fremdsprachigen SchulbĂŒchern der fĂŒnften und siebten Klasse gedankt, die effektiv einschĂ€tzen, welche Vokabeln im Alltag noch von großer  Bedeutung sein wird.

Und heute? Heute sagt Mappy, die Strecke betrĂ€gt 35 km. Nur 35? Das sind ja nur 15 mehr als 20 und 20 kann man immer fahren, egal wie viel Uhr & wie heiß es ist.

Irgendwann, irgendwann – wie hĂ€ufig sind wir bei der Hochzeitsgesellschaft vorbei gefahren? War das wirklich nur 2 Mal? – sind wir verschwitzt, rotgesichtig, durstig und ohne Kaffee beim Hostel angekommen.

Die schreiend hungrigen MĂ€gen treiben uns dennoch nach draußen zu den EssensstĂ€nden. Aus weiter Entfernung versuchen wir abzuschĂ€tzen, was da gebraut und gebraten wird. Oh, sieht das aus wie ein knuspriges, leckeres, pikant gewĂŒrztes Rindersteak? Was, fĂŒr 1,50? Kaum können wir unser GlĂŒck fassen, tragen unsere Beute hurtig heim.

Aber, oh nein, nein, nein, das saftige StĂŒck muss etwas sein wie – was weiß ich? – Schweineschwarte? Weißlich triefendes Fettgewebe mit KnorpelstĂŒcken und dicker Haut? Trocken Reis verzehrt Lili, derweil Adrian tapfer fettverschmierter Finger und Knochennagtechnik Verschlingbares von Unverschlingbarem trennt. Spekulationen ĂŒber Herkunft & Substanz bleibt indes verboten. Der Kenner – wie bekannt – schweigt diskret.

đŸŸ Panthapapers

Die Rezensionen im Internet hatten nicht ĂŒbertrieben, das Hotel der letzten Nacht beherbergte tatsĂ€chlich eine Menge Insekten. Ein gewaltig brummender Sturmventilator hĂ€lt in der Nacht die dreistesten und fliegenden fern. Aber nur um den Preis einer windigen Nacht mit wilden, haarzersausenden TrĂ€umen und einer leicht desolaten Regeneration.

Wir stechen weiter nordwĂ€rts in die Weite des Schwemmlandes. Wo das anfĂ€ngt, wo aufhört, wird mir allerdings nicht ganz klar. Architektonisch prĂ€gen Pfahlbauten die Dörfer. In der Regenzeit könnten offensichtlich alle Zweibeiner ohne weiteres ins obere Stockwerk flĂŒchten. Aber was ist mit dem Nutzvieh? Was mit ebenerdigen MotorradwerkstĂ€tten oder Schreinereien? Findet jedes Jahr im MĂ€rz vor der Regenzeit ein gewaltiger Trek aus HĂŒhnern, Hunden und dicken Rindern gen Gebirge statt, gefolgt von einem Zug mobiler EssenswarenhĂ€ndler und Planwagen voller SchnitzstĂŒhle? Was aus Tradition, was aus PrĂ€vention in die Höhe gebaut wird, ist kaum zu unterscheiden. Ein paar VisumsverlĂ€ngerungen und das ließe sich freilich leicht herausfinden. Oder ein informatives GesprĂ€ch mit einem Einheimischen, aber dafĂŒr sind Gelegenheiten und Englisch-Kenntnisse gerade zu selten gegeben. 

Der Tonle Sap schwillt in der Regenzeit fast auf das zehnfache seiner jetzigen GrĂ¶ĂŸe an. Die Flussrichtung Ă€ndert sich sogar und es drĂŒckt Meerwasser flussaufwĂ€rts weit ins Landesinnere. Sobald dann die Regenzeit wieder endet, folgen die Insekten. Wir kommen trotz kurzer Strecke ermĂŒdet von Umwegen und Sackgassen in Chi Kraeng an und checken im Hotel ein. Erdgeschoss. Aber bis zur Regenzeit ist noch etwas hin. Zum GlĂŒck ist der Ventilator schön leise. Gerade laut genug, um das Surren des Kleingetiers zu ĂŒbertönen. Zeit fĂŒr ruhigere TrĂ€ume.

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