Montag 8.1.2024 Fahrt nach Siem Reap (65 km)

🩄 Ponypapers

FĂŒnf Uhr aufstehen, herrlich, herrlicher Sonnenaufgang. Der endlos weite Himmel, der Wind im Gesicht, die Freiheit in den Gliedern. Zumindest bis 10 Uhr, bis die Sonne brennt und die Augen von Staub und Wind trĂ€nen und jucken, die MĂŒdigkeit in den Waden sitzt und die Muskeln bei kleinster Steigung brennen.

Aber der Himmel ist weit und herrlich und die Reisfelder sind saftig und grĂŒn, die Menschen sind arm und die Behausungen provisorisch. 

Das Leben ist schön und das Leben ist unmoralisch, niemand hat etwas verdient und alles ist Zufall.

đŸŸ Panthapapers

Heute hĂ€tte meine vor eineinhalb Jahren verstorbene Großmutter Geburtstag. Ich frage mich, was sie von diesem Land gehalten hĂ€tte. Die Heuhaufen, die Aussaat per Hand, die Zugtiere unter dem Kummet hĂ€tten sie vielleicht an ihre Kindheit in der deutschen Nachkriegszeit in Franken erinnert (auch wenn mancher hier bereits schwere MĂ€h-, PflĂŒg- und Erntemaschinen besitzt. Wenn sie davon erzĂ€hlte, sprach sie auch von der Armut. Aber unglĂŒcklich klang es nicht. Manchmal sogar ein wenig stolz. 

Unterwegs höre ich die Autobiographie von Werner Herzog (“Jeder fĂŒr sich und Gott gegen alle”). Auch er redet von der Kindheit in den 50er Jahren, von einem Hauch von Anarchie und Freiheit, was sicher eher fĂŒr Jungs als MĂ€dchen galt. Wie es wohl ist, als einer dieser kambodschanischen Knaben aufzuwachsen, die auf Mopeds ĂŒber den roten Sandstaub knattern und Rinder hĂŒten? Viele mĂŒssen bei der Arbeit helfen. Ich bin zwiegespalten, wie heilig, wie unangetastet von Gesellschaftsinteressen die Kindheit sein sollte. Vermutlich aber will kein Kind hungern.

Apropos, das lokale Essen fĂ€nde meine Oma interessant, wenn auch fremd und ĂŒbersalzen. Die Freundlichkeit aber hĂ€tte ihr uneingeschrĂ€nkt gefallen. Nach einem Kauf falten KĂ€ufer und VerkĂ€ufer die HĂ€nde, sagen Danke, deuten eine Verbeugung an und lĂ€cheln. Ein buddhistischer Brauch.

Heute erreichen wir das einstige spirituelle – und politische – Zentrum dieser Region des Planeten, Angkor. Wir werden einige Tage bleiben.

Der hiesige Geisterglaube und Ahnenkult aber ist Ă€lter als Angkor Wat, als Buddhismus und Hinduismus. Er hat sich seit Jahrtausenden erhalten. Kleine Schreine stehen in Kambodscha in vielen Haushalten, einige Gaben und RĂ€ucherstĂ€bchen davor angerichtet. Auch das hĂ€tte meiner Oma gefallen, inklusive den RĂ€ucherstĂ€bchen. Und den kleinen Tassen mit Tee, die oft dabei stehen. Nur, wie erwĂ€hnt, lieber Bratkartoffeln statt Lok Lak. Über die hat sie sich nicht nur in ihrer Kindheit gefreut. Und bestimmt wĂŒrde sie auch ein paar Kambodschaner dafĂŒr begeistern können.

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