
đŠ Ponypapers: Ăber Monks und Monkeys
FĂŒnf Uhr aufstehen, halb sechs los, Tempel bei Sonnenaufgang. Nur schade, dass die Stimmung noch nicht weich und sanft wie das Abendlicht ist, sondern nĂŒchtern, klar, wie eben ein Morgen ohne Kater.
Auf einem Schild lese ich mal wieder, was bei dieser Tempellandschaft verboten ist, Drohnen fliegen zu lassen beispielsweise oder schulterfreie Kleidung zu tragen. DarĂŒber hinaus ist es insbesondere & vor allem anderen Frauen verboten, âMonksâ zu nahe zu kommen, sie zu berĂŒhren oder gar, teuflisch, teuflisch, um ein Selfie zu bitten. Statt âMonksâ lese ich â frĂŒh morgendlicher Dumpfheit geschuldet â allerdings nicht als Monks, sondern als Monkeys. Selbst Affen können hier also noch von der âunreinenâ Frau besudelt werden?
All diese verschissenen Religionen mit ihrer ausgeprÀgten Misogynie, die man auch noch zu respektieren hat?
Nun, dass mir kurz darauf auffĂ€llt, dass es hier um Mönche und nicht um Affen dreht, besĂ€nftigt meinen inneren Redner nur wenig. Affe, Mönche â hin oder her. Diese alte Leier von der Unreinheit der Frauen: den BerĂŒhungsverboten & den Tempelbetretungsverboten, den Götterdienverboten & den Waschordnungen. Eine Religion nicht besser als die andere. Und die gute, alte, in die Jahre gekommene AufklĂ€rung ist wohl auch etwas altersmilde & -mĂŒde geworden. Jedem seine Idiosynkrasien lassen, faselt sie etwas von Respekt.
Da gebĂ€rt man ihnen Kinder (also andere Frauen, nicht ich â das wĂ€re ja noch schöner), sĂ€ugt sie an der Brust bis die Tittis hĂ€ngen, pinkelt ordentlich im Sitzen, kratzt sich nicht am Sack, wechselt brav die Binden & immer, immer noch sind die schlappschwĂ€nzigen, askesegarstigen MĂ€nner, die keine Kinder zeugen können & Frauen nicht respektieren, nicht ausgestorben.
đŸ Panthapapers
Fantastisch fantasievoller Tag. In Angkor fĂŒhlt man sich im Ă€sthetischen Zentrum Kambodschas. Als habe sich an diesem Ort die gesamte Formensprache gesammelt und sei dann ins ĂŒbrige Land explodiert.
Dennoch haben viele Tempel ihren je eigenen Charakter. Einer wirkt wie eine Resizen mit GĂ€rten, Wasserbecken, langer BrĂŒcke, weiter Umsicht. Ein anderer verliert sich in immer mehr Zimmerfluchten, an jeder Kreuzung öffnen sich neue GĂ€nge. Wieder einer richtet GebĂ€ude wie ein Gebirge um die zentrale Plattform herum an. Auf einem hohen Shiva-Tempel geht ein orange gekleideter Mönch dreimal barfuĂ um die oberste Stufe, auf der wir gerade stehen, als wollte er das GebĂ€ude von unserer anrĂŒchigen Heiden-Aura reinigen. Ich blicke mich mehrmals um, als wir das Areal verlassen. Auch er schaut uns noch hinterher, nun sitzend, hochgezogene Schultern, als wĂŒrde er dĂŒstern Sinns das Heiligtum fĂŒr sich beanspruchen. Du bist auch nur ein Usurpator, denke ich mir, aber wir suchen trotzdem das Weite. AuĂer Nihilismus hĂ€tten wir eh nichts zu bieten.
Angkor Tom zeigt viele Gesichter in Stein gemeiĂelt, und in alle Himmelsrichtungen Ausschau haltend. Stoisch das Flirren der Maya durchblickend, belĂ€chelnd, steinern ignorierend.
Finster dagegen wirkt eine andere StĂ€tte, wie die verschlossene Behausung einer schwarzmagischen Sekte, einer Blutopfer fordernden Priestergilde. Fensterlose Mauern in Quadern aufeinander gesetzt, keine Treppe nach oben war je so steil. Weit muss sich das HĂ€lschen recken, um die Erhabenen zu erblicken, man möchte meinen, ganz zum letzten Schnitt bereit. Ein einziger gedrungener SĂ€ulengang in der fernen Höhe. Fast kann man noch die langen Schatten ahnen, die dort der Fackelschein ĂŒber die WĂ€nde huschen lieĂ, und undeutliche Stimmen unter dicken Roben murmeln hören.
Aber all das mag sich auch ganz anders verhalten haben. Ohne prĂ€ziseres historisches Wissen hat man mehr Freiheiten, das bisherige Leben in diesen GebĂ€uden zu imaginieren. Kenntnisreiche einheimische FĂŒhrer gibt es zwar, aber die muss man nicht nur bezahlen, sondern stundenlang mit unausgesetzter Aufmerksamkeit und dem passenden Reaktions-Repertoir (erstauntes âah!â, interessiertes âah?â, verstĂ€ndnisvoll-wissendes âah jaâ) bei der Stange halten. Sozialkontakte sind eine Last. Und Merken ohne Mitschreiben klappt eh nicht. Was aber klappt, ist: Fantasie. Ein fantastischer Tag.

