Sonntag 14.1.2024 Siem Reap

🦄 Ponypapers

Es gibt so viele Tempel, dass ich mir gar nicht erst die Mühe gebe, etwas Ordnung in das Chaos zu bekommen. Zumindest keine offizielle Ordnung. 

Ich gebe ihnen lieber eigene Namen: Der Sonnenuntergangstempel (langer, langer Steg, Kreuzung, liebliche Landschaft in Grünorange auf der linken Seite und balgende Affen auf der rechten Seite, dann pyramidaler, quadratischer Aufbau nach oben, großes Tor auf der Spitze), der Gesichtstempel (selbsterklärend), der Viel-Raum-Tempel-I, der Viel-Raum-Tempel-II, die Meditationsklausen (vermutlich auch einst mit so nem Ziereremiten bestückt, der gern kündigen würde, wenn man ihn ließe), DER Shiva-Tempel (es gibt mehrere, aber dies ist DER Shiva-Tempel, weil die Stufen so steil, schmal, abgeschlagen & hoch sind, dass Shiva sich genug Opfer von denjenigen holen konnte, die es wagten, betend den Weg zu seiner heiligen Stätte zu erklimmen).

Darüber hinaus: Die Teleportationsportale (mag ich sehr gern, nichts übrig außer ein paar Stufen & das Tor in die andre Welt), Seetempel (möglicherweise einst mit Steg, jetzt ohne Steg, aber die Spitze eines aufgebäumten Rosses schaut noch aus dem Wasser und in Richtung des Tempels (ohne, wie ich fürchte, Hoffnung auf Ankunft) & der Baum-Wachs-Angelina-Tempel (leider fällt die Tatsache seiner außerordentlichen Schönheit aufgrund der erobernden Natur mit der Tatsache zusammen, dass A. Jolie Szenen für Tomb Raider dort gedreht hat mit der Folge: massenhafte Touristenschwärme. Da lob ich mir meine Teleportationsportale), sowie mehrere Stein- & Sonnenstichtempel, die diffus und bunt fleckig alsbald in meiner Vorstellung miteinander verschwimmen. 

Es ist nicht immer ganz leicht, Adrian zu kommunizieren, zu welchem Tempel ich nochmal möchte. “Zum Sonnenuntergangstempel. Also unserem Sonnenuntergangstempel, nicht dem der anderen (also Googles Angkor-Empfehlung für Sonnenuntergänge).” Versteh nicht, warum A. meiner Namensgebung so wenig Aufmerksamkeit schenkt. Ich mein, wer zum Henker sollte sich Banteang Kdei Temple merken, wenn er auch Viele-Raum-Tempel-I im Gedächtnis bewahren kann?

🐾 Panthapapers

In der Nähe unseres Hotels gibt es einen japanischen Burgerladen, der neben der teuren Variante für das computeraffine Klientel seines klimatisierten Hight-Speed-WiFi-Raums auch einen 1$-”Burger for everybody” zum Mitnehmen anbietet. Weil das ein guter Deal ist, haben wir in den letzten Tagen zur Mittagszeit erst zwei Burger, dann vier Burger und zuletzt sechs Burger besorgt. Die Gesichter der Verkäuferinnen schwanken mittlerweile zwischen geschmeichelter Freude und beginnender Sorge.

Es muss an meinem immer noch lädierten Verdauungstrakt liegen, dass ich heute viel über diese Burger nachdenke. Womöglich haben wir es übertrieben. Im Laufe des Tages wird es allmählich besser. Gleich beim Hotel um die Ecke steht ein kleines Geschäft, das Lebensmittel anbietet. Die Besitzerin verkauft hauptsächlich an die Kinder aus der Schule gegenüber. Wie sei da Plastik-Päckchen durch den Zaun steckt und Geldscheine durch den Zaun entgegennimmt, wirkt die gute Frau wie eine richtig üble Drogendealerin. Von ihr besorgt mir Lili ein paar Dosen Cola. Mit diesen geht es gewiss wieder aufwärts. Morgen wird bestimmt alles ok sein. Wenn ich’s recht bedenke, hab ich sogar schon etwas Lust auf einen Burger.

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