
đŠ Ponypapers
Neben all den Tempelbildern sammel ich auch fleiĂig Baumbilder und FluĂbilder und Spiegelungsbilder. Die Natur malt hier so herrlich wie einst der Mensch. Eine wahre KĂŒnstlerin ist die Natur mit ihrer reichen Palette an GrĂŒn-& und Rottönen, die mich noch tiefer ins Dickicht lockt. Aber obacht, nicht nur durch die Linse blinzeln. Nachdem ich letztens fast auf ein schĂŒchternes SchlĂ€nglein getreten wĂ€r, bin ich wieder etwas misstrauischer geworden. Nur nicht NĂ€chstes aus den Augen verlieren, denke ich stolpernd.
Aber wohin hĂ€tte es mich gezogen, hĂ€tt es je die Wahl gegeben? WĂ€re ich lieber zu etwas GemĂ€uerstein gekrochen, um meine lieben Gaben abzulegen oder hĂ€tt ich an heiliger Quelle gekniet? WĂ€re mir das Transzendente eher in der Natur begegnet oder in Hallen, von Menschenhand zwar gemacht, aber von solch beeindruckender Gewalt, das sie mir wie von göttlicher Kraft dirigiert, gar menschenunmöglich erschienen wĂ€ren? Wo wĂŒrde ich âdas Höhereâ finden â wollen?
Welcher Menschenmassen, rĂ€tsel ich unglĂ€ubig, hat es nur bedurft, die Treppenreliefsteine von Angkor zu schlagen? Welcher Massen, sie zu heben, zu schichten, zu tĂŒrmen? Halle um Halle um Halle, Meter fĂŒr Meter in die Höhe und ein Tor zum Himmel. Wer kann sowas erdacht, sowas gelenkt haben? Gotteswerk und Gottesgeist â scheint das Unmögliche zu rufen.
Aber die Sonnenstrahlen gehen spazieren im Wald, fallen durchs GeĂ€st, malen goldne Lichtkreise auf dem Boden. Waldgeister, verborgen in der Rinde, bewegen sich im Schatten, raunen sich heimlich zu. Silberner Lichtstaub steigt in den Morgenstunden von den GrĂ€sern, still und scharf liegt der Schatten eines Miniaturbaumes auf ebâner WasserflĂ€che, die man nicht sieht. Ein Teppich von grĂŒnen RosenblĂŒten verbirgt tiefen Raum des Wassers, den man nur ahnt. Wo wĂ€re das Göttliche zu suchen, wenn der Mensch es finden will?
Und auf den Mauern des Tempels ragt ein Baum, ein mĂ€chtâger Riese zerquetscht mit Wurzeln, breit wie MĂ€nnerarme, die Kuppel, knickt die SĂ€ulen, haut den SĂ€ulengang entzwei. Wo finden wir die Götter als im Untergang zweier alter Titanen, die miteinander kĂ€mpfen?
Wer aber konserviert, mordet. Der zersÀgte Baumriese, der geköpfte Stummel, der glatte Schnitt tötete nicht nur den NaturdÀmon. Hinfort ist auch der Zauber der Menschenhand. Angkors Hallen sind leer und die Natur bleibt stumm, denke ich stolpernd.
đŸ Panthapapers
Bei einem unserer langen SpaziergĂ€nge durch die Tempelanlagen von Angkor prangt plötzlich der deutsche Bundesadler vor mir von einem Plakat. Offenbar werden manche der Ruinen unter maĂgeblicher Mitwirkung der Technischen Hochschule Köln restauriert. Kein Wunder, unsere Expertise in Denkmalpflege ist uneingeschrĂ€nkt rĂŒhmenswert.
GACP, German Apsara Conservation Project, heiĂt das Unternehmen, das seit ĂŒber 25 Jahren die SteinbrĂŒche von Angkor bebastelt. Wer wĂŒrde bei dem Anblick der unscheinbaren, streberhaften HĂ€user, Hallen und GĂ€nge der TH Köln wĂ€hnen, dass in ihren kleinen, sterilen Zimmerchen mit den normierten Allzweck-Plastik-Kinderstuhl-Garnituren solche Weltprojekte entworfen und dirigiert werden?
Apsara heiĂen die mythischen, halbgöttlichen Wolkengeister, die den Ur-Kambodschanern die Kunst des Tanzens beibrachten. Zum Dank haben die damaligen Steinmetze sie in tausenden Reliefs verewigt. Bis ihre Ewigkeit bröckelte. Aber dafĂŒr sind ja jetzt die Deutschen da. âSponsored by Rossmannâ, steht daneben.


