
🦄 Ponypapers
Müde, müde packen wir uns aufs Fahrrad und gondeln los. Der Himmel ist blau & die Ebene ist gelb. Ich will Kambodscha nicht verlassen.
Für vorauseilende Nostalgie bleibt dann aber wenig Zeit. Bei der Grenze müssen wir uns sortieren, hier, dort entlang, hier Fingerabdrücke, dort Stempel drauf, weiter da drüben.
Zwei Stunden in einer langen, langsamen Menschenschlange, dabei müßige Gedanken unter den summenden, brummenden Ventilatoren, die fleißig ihre Runde drehen. Meine Gedanken verteilen sich gleichmäßig auf: Infektionskrankheiten und ihre Wege, die Frage, wo sich unser Desinfektionsmittel befindet (bei den Fahrrädern), an welchen Orten man wohl Superspreader treffen könnte und wie virenfreundlich doch diese Ventilatoren sind, die jedes Tröpfchen noch in die hinterste Ecke treiben. Mit leichter Übelkeit (vermutlich zu wenig gegessen) geht’s zu den Fahrrädern zurück.
Und ja, da sind wir dann plötzlich über der Grenze.
“Hallo Thailand… Ich freu mich auf dich! Hab einiges von dir gehört. Beispielsweise, dass du zu den Ländern gehörst, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind! Und dass du dir einen Platz gesichert hast unter der Top Five derjenigen Länder, die am häufigsten ihre Regierung wechseln. Hab gehört, dass du gerne ab und zu mit der Demokratie flirtest und ansonsten ein sehr rigides Anti-Majestätsbeleidigungsgesetz hast. Und wenn ich da noch etwas hinzufügen darf, Thailand. Ich find dich schon jetzt Klasse. Wir werden gut miteinander klarkommen. Du musst wissen, ich liebäugel manchmal mit der Aristokratie. Natürlich unter der Voraussetzung entsprechender Abstammung und Monarchie – Aristokratie… Du weißt schon. Aber was ich sagen möcht: Wir lieben doch immer ein wenig das, was wir selbst nicht sein können. Wir müssen uns doch immer ein wenig verwechseln. Wir müssen immer ein wenig lieben. Ich versteh dich, Thailand, keine Sorge!”
🐾 Panthapapers
Grenzübertritt von Kambodscha nach Thailand. Es gibt kaum eine Institution in Deutschland, die mehr Schrecken über fremde Länder verbreitet als das Auswärtige Amt. Wer die Sicherheitshinweise auf ihrer Webseite liest, und zwar ganz gleich über welche Region, erfährt, dass sich alle Staaten außerhalb der Bundesrepublik in so etwas wie einem permanenten Bürgerkriegszustand befinden.
Überall wird geraubt, entführt, betrogen, gemordet, wird unschuldigen Touristen die Haut vom Leibe und das Geld aus der Tasche gezogen. Schon Frankreich sollte man, nimmt man diese “Hinweise” ernst, nur im gepanzerten Fahrzeug betreten.
Die Sicherheit in unserer Heimat kann dabei naturgemäß nicht zur Sprache kommen. Dabei wäre sie für die Einschätzung der Verhältnismäßigkeit hilfreich. Nirgends in Vietnam oder Kambodscha habe ich einen Ort gesehen, der es an sozialer Verwahrlosung auch nur entfernt mit den öffentlichen Parks in Berlin aufnehmen könnte. Als Ausländer zudem wird man sich konstant latentem, häufig genug ausdrücklichem und gelegentlich exzessivem Hass ausgesetzt finden. Demonstrationen jedweder Art sollten Sie meiden, wenn Sie nicht von der Polizei niedergeknüppelt werden wollen. Selbst im beschaulichen Freiburg sind Messerstechereien und versuchte Vergewaltigungen Alltag.
In der Silvester-Nacht in Phnom Penh, eingedrückt in eine unendlich schwere Menschenmasse, habe ich niemanden, nicht einen einzigen, mit einer Bierdose oder auch nur leicht Angetrunkenen gesehen. Selbst geraucht haben die wenigsten und geradezu verschämt. Und das, obwohl es hierzulande keine Speiseverbote gibt wie in islamischen Staaten, die dergleichen Askese erzwingen wollten. Ein erheblicher Unterschied zu der Saufkultur, die man in deutschen Landen ostentativ pflegt, mit all der Gewalt, die sie mit sich bringt.
Es muss wohl der deutsche Versicherungs-Geist sein, der die Damen und Herren vom Auswärtigen Amt dazu angetrieben hat, die restliche Welt in den düstersten Farben zu malen. Nach der Devise “Wenn irgendwas passiert, behauptet bloß nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.” Ein unschöner Nebeneffekt, dass man dadurch die Fremdenangst und in der Folge davon die Fremdenfeindlichkeit unnötig bestärkt.
Sicher ist es gewiss nirgends. Ob vor oder hinter der Grenze, wir haben uns bisher nicht gefährdeter als in Deutschland gefühlt.

