
🦄 Ponypapers
Und ein weiterer Tag Residenz in dem von Nietzsche bezahlten Swimmingpool-Hotel. Adrian korrigiert meine Texte, ich gleite durchs Wasser.
Ich erinnere mich an eine Szene, als ich so ungefähr 9 Jahre alt war. Ich hatte eine Reihe Bilder gemalt: Hatte Augen geübt & Münder & hatte ein Strandbild gemalt: Oben ein blauer Streifen, in der Ecke die Sonne, unten ein blauer Streifen Wasser und einen Streifen Sand, davor ein paar Kinder, Mädchen in langen geblümten Kleidern. Ich brachte meine Kunstwerke meinen Eltern, um sie angemessen würdigen zu lassen. Meine Mama sah sich in ausgiebiger Sorgfalt die Bilder an und kommentierte: “Das hast du schön gemacht. Wie gut die Augen sind mit den Wimpern und der Lidfalte. Es ist gut, Details zu üben. Vor allem aber dieser Mund gefällt mir besonders gut.” Und “Wow, so ein Strandbild, Klasse ist das” usw. usf. Dann aber fragte sie: “Warum tragen all diese Kinder am heißen Sommertag denn Fäustlinge?”
Nun, diese geniale Idee hatte ich mir von einer Klassenkameradin abgeschaut und sie trug seitdem wirklich zur Verbesserung all meiner Bilder bei. Da Hände echt kompliziert sind mit Handteller und Daumen und vier Fingern gerieten sie jedesmal aufs Neue aus der Form und waren grotesk vergrößert. Mindestens halb so groß wie der gesamte Körper hatten sie bislang sämtliche meiner gezeichneten Figuren verunstaltet. Wenn man diesen Bärenklauen aber Fäustlinge überstülpte, konnte man sie fast auf eine angemessene Größe reduzieren.
Also erklärte ich Mama die Sachlage und sie erwiderte: “Deine früheren Hände haben mir viel besser gefallen.”
Ein dunkler, dunkler Vorhang legte sich über alle Dinge. Es ihr gefiel ihr nicht. So lange hatte ich gemalt! Stunden gewiss! Das allerschönste Sommerbild – für nichts.
“Nein! Die waren furchtbar. Besser kann ich’s eben nicht.” Ich packte den Stapel Bilder und riss ihn entzwei.
Adrian korrigiert fleißig meine Texte & ich schwebe im Pool.
Wer weiß schon, was ich heute von konstruktiver Kritik halte?
🐾 Panthapapers
Einkaufszentren in Südsotasien haben einen ganz anderen Flair als die in Europa. Allein der Kontrast beim Eintreten aus dem stickig-heißen Großstadt-Dampf in die kühle, helle Leichtigkeit der klimatisierten Glitzer-Räume macht den Shopping-Tempel zu einer Oase der Wohltaten. Da können die staubtrockenen Heizlüfter von Karstadt nicht mithalten, die einen sofort hektisch nach Lutschbonbons kramen lassen, damit die Atemzüge sich nicht wie Käsereiben anfühlen.
Geld ist Möglichkeit. Im Prinzip weiß das jeder, aber selten wird diese ominöse Möglichkeit so konkret, so vielfältig und so schillernd präsent wie in den heilig auratischen Ebenen der gläsernen Glücksgebilde. Zu bedauern, wer hier mit einem “Und” statt einem “Oder” einherschreiten darf. Ich wüsste keine Heilung für solche Krankheit.
Denke ich mir jedenfalls mit sacht verborgenem Neid, als uns die Essenspreise im Foodcourt den schönen frischen Atem gleich wieder nehmen. Konsum kennt keine Grenzen, Hunger dankenswerterweise schon. Und im Hotelzimmer liegen noch ein paar Kekse.