Mittwoch 7.2.2024 Fahrt nach Bang Pakong (52 km)

🦄 Ponypapers

Um den Hulk in mir zu bändigen (der häufig nicht wirklich wütend, sondern nur müde und hungrig ist), schlafen wir jetzt eine Stunde länger, also großzügig bis 6 Uhr.

Nicht, dass der Hulk diese gnädige Änderung bemerken würde, aber egal. Die anvisierte Unterkunft weckt immerhin keine falschen Erwartungen.

Hier sind die Top 3 gelistet:

“Was ist gut an diesem Ort? Meine Frau war dort, aber ich weiß nicht warum.”

“Es nervt.”

“Vergehen jeden Tag.”

Inzwischen könnten wir ganze Bände an Rezensionslyrik zusammensammeln, was mich denken lässt, dass, wenn schon der Google Übersetzer sowas hinbekommt, es wirklich wenig verwundert, wenn wir schon bald als Dichter und Künstler von Maschinen überflügelt werden. Bei Gelegenheit werde ich ein paar der Eleganzien notieren.

Während der Fahrt blubbert mein Gehirn wahllos Themen vor sich hin, bleibt dann bei einem Romananfang hängen und der restliche Teil unserer Tour gestaltet sich erstaunlich kurzweilig.

Unser Zimmer ist übrigens nicht so schlecht. Man hat sich Mühe gegeben, mit den türkisblauen Wänden und den bunten Seifenblasenbubbels etwas Farbe ins Zimmer zu bekommen. Außerdem hat man einen riesigen, riesigen Spiegel an die Seite neben das Bett geklatscht. Das macht den Raum größer, auch wenn ein solch großer Spiegel neben dem Bett leicht befremdlich auf mich wirkt. Ich denke, der erste Rezensent sollte sich weniger um den Zustand des Hotels kümmern und mehr um seine Frau.

Nach kurzer Pause auf dem Bett und einigen Selbstbetrachtungen machen wir uns auf den Weg, etwas zu essen auf dem Markt zu ergattern und kehren mit einem Buffet an Tüten in die Herberge zurück, wo wir ihren Inhalt hinfort schnabulieren.

Bald darauf liegen wir im Duett unserer beider Schlafmelodien im Bett, schlafen allerdings nur kurz. Ein schreiender & aus dem Bett hopsender Adrian sorgt dafür, dass ich fast genauso schnell senkrecht stehe. 

Ursache des Kriegsgeheuls ist eine Kakerlake, die sich in der Nacht heimlich in Adrians Hand geschlichen hat. Nachdem sie in ein übrig gebliebenes Plastikbüchschen gesperrt wurde, geht’s zurück ins Bett, wo zumindest einer von uns seligen Schlaf findet.  

🐾 Panthapapers

Die Google-Rezensionen für unser heutiges Hotel können nur als unmissverständliche Warnungen bezeichnet werden. Alles unter vier Sternen darf man getrost “riskant” nennen, aber es besteht noch Hoffnung. Unter 3,7 schläft man auf eigenes Risiko. Unser Schlafplatz für heute wurde mit 3,5 bewertet. Wir kehren dennoch ein, die erste Wahl erweist sich, wie allzu oft, als inexistent und die zweite hat den Vorteil, nahe zu liegen und günstig zu sein. Auch wenn das erschreckende Bild eines Hundertfüßers, aufgenommen von einem unzufriedenen Kunden, mir leichte Bauchschmerzen bereitet. Wer glaubt, so ein Ding sei harmlos, sehe mal bei Wikipedia nach. Ein ungünstiger Biss und man liegt schreiend am Boden.

Ich werde unsere Unvorsicht bereuen. Wir legen uns nach ausgiebiger Fütterung zum Schlummer nieder. Seit Jahren bedecke ich beim Schlafen meine Augen mit einem Buff, einer Art Multifunktions-Stirnband. Das hat den Vorteil, es mir jederzeit dunkel machen und überall schlafen zu können. Und den Nachteil, meiner Umgebung “blindfolded” ausgeliefert zu sein.

Ich fühle es schon ein paar Mal an meinen Fingern kribbeln, während wir da so liegen, aber als ich – blind – umher taste, ist da nichts. Also nur getäuscht, ein Windhauch vom Ventilator, etwas Plastik vielleicht.

Erst nachdem ich fast völlig eingeschlafen bin, bekribbelt die Kakerlake ausgiebig und schnell meine Hand. Ich schrei überrascht auf, die Kakerlake schreit überrascht auf, Lili schreit überrascht auf. Ich springe in die Höhe, die Kakerlake sucht Schutz – unter der Bettdecke. Lili nun ebenfalls. Innerhalb weniger Sekunden hat sich das Hotelzimmer aus einem Ruheraum in ein Schlachtfeld verwandelt.

Lili greift in behänder McGiver-Manier zu den leeren Essensdosen im Müll, zieht einen Block aus der Tasche, reißt ein Blatt Papier ab. Schon ist das unglückliche Geschöpf in einem transparenten Gefängnis verwahrt, während ich noch davon schwadroniere, unser hoch potentes Insektenschutzmittel so ausgiebig im Raum zu verteilen, dass kein lebend Wesen je wieder einen Atemzug zwischen diesen Wänden wird tun können.

Die restliche Nacht wird ein Mischmasch aus Schlaflosigkeit und Alptraum. Der Fernseher bleibt an, thailändische Koch-, Kriminal- und Dauerwerbesendungen vermengen sich mit dem Dröhnen und Scheppern der nahe vorbei fahrenden LkWs und dem – vermeintlichen? – Krabbeln kleiner, kleiner, schneller Füße. Ich glaube, etwa hundert an der Zahl.

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