
🦄 Ponypapers
Adrian sieht ganz zerknautscht aus & klagt über Kopfschmerzen. Immerhin kann ich ihn mit einer kurzen Strecke trösten.
Wegen dem Großstadtverkehr tasten wir uns jetzt nur kilometerchenweise vorwärts. Aber wenn ich so bisher die Straßen von Vietnam, Kambodscha & Thailand vergleiche, kann ich doch sagen, dass ich die letzteren am wenigsten mag.
Es gibt hier viel mehr Autos, weniger Zweiräder und sehr viel schnelleren Verkehr. Vietnam bestach durch seine ausgesprochen langsamen Geschwindigkeiten, egal, ob Auto, Bus oder Lkw, mit mehr als 50 km pro Stunde war nicht zu rechnen. Zudem der richtig fette Seitenstreifen, der sich neben den großen Straßen befindet und auf dem alles fährt, was sich nur irgendwie auf Rädern bewegen lässt, zwar in zwei Richtungen und im Slalom an den stehenden Ständen vorbei, aber gemach, gemach. Also nach dem ersten Gehörschaden & Herzinfakt lässt’s sich in Vietnam bequem Fahrrad fahren. Und ja, natürlich habe ich noch gar nicht die kleinen Küstenwege erwähnt, oder die Dschungelfährten und Dammstriche und die Berge & Berge von unten gesehen und immer wieder das Meer.
Trotz all der knochenbrechenden und hinternknüppelnden Hubbelstraßen gewinnt für mich allerdings Kambodscha den Straßenpreis. Entweder kann man zwischen breiten lärmenden Schnellstraßen mit weniger dichten, aber sehr schnellem Verkehr wählen oder sich für die rot- & gelbfarbigen Pfade entscheiden. Egal, was man wählt – aber man sollte letzteres wählen – wird einen die Landschaft so umhauen, dass sie einen für jeden Sonnenstich, Gehörschaden und Kreislaufkollaps entschädigt.
Wer braucht ein Herz, wenn er Augen hat?
Falls aber eins übrig bleibt, gehört es Kambodschas Natur.
Wenig, sehr wenig Sympathie hege ich stattdessen und bislang für Thailands Asphaltwege & Schnellstraßen, die über und untereinander sich umwinden und deren Spurwechsel einem Griff in die Lotteriebox gleicht. Erst heut Morgen fuhr ein Motorradfahrer langsam an uns vorbei, hob den Daumen zum Zeichen seiner Sympathie für unser Unterfangen & bekreuzigte sich direkt darauf.
Ich bin ja nun nicht die kirchenkundigste, aber ich glaub, er hat uns einen Segen erteilt. Ob uns aber gerade der christliche Gott aus der Patsche helfen wird? Ich würd mich da lieber an eine lokalere Gottheit wenden. Die hat vll nicht gar so viel zu tun.
🐾 Panthapapers
Was für ein Tag voller Kopfschmerzen und Übelkeit nach der miserablen Nacht und zu wenig Flüssigkeit. Der Verkehr nimmt zu, je näher wir Bangkok kommen. “Don’t go into Bangkok. It’s a Nightmare”, rät jemand in einem Café, das wir besuchen. Wir wollen auch nicht hinein. Naja, ich wollte schon, aber Lili hat spätestens seit Ho Chi Minh City die Schnauze voll von hyper-urbanen Megacities. “Der Verkehr in Bangkok ist mörderisch”, heißt es passend dazu auf einem deutschen Reiseblog.
Wie ungünstig, dass gerade jetzt, also beginnend mit Samstag, auch noch das Chinesische Neujahr anfängt, sozusagen das ostasiatische zweite Silvester. Alles ist dann unterwegs, um seine Familie zu besuchen, kein Durchkommen nirgends. Wir wollen uns sozusagen im südlichsten Teil von Bangkok an Bangkok vorbei schleichen, so ist der Plan. Heimlich über den Chao Phraya setzen, den alles trennenden, alles verbindenden Fluss in der Mitte der Stadt.
Das Abenteuer Bangkok wollen wir uns für ein andermal aufsparen, dann vielleicht ohne Fahrräder. Zunächst aber erstmal ausruhen, Anlauf nehmen. Ein Sprung ins neue Jahr, das Jahr des Drachen – und auf die andere Seite der großen, tosenden Göttin aus Stahl. Mann, tut mir der Kopf weh.