Dienstag 13.2.2024 Fahrt nach Bang Krabue (50 km)

🦄 Ponypapers

Endlich fahren wir durch die hintersten Stadtteile Bangkoks, ganz langsam weniger Verkehr. Trotzdem noch viel umgestülpte Erde, als würde das Innere nach oben gekehrt, das normalerweise wohlweislich und nicht nur aus ästhetischen Gründen mit der sanften Erdhaut bedeckt ist. Die Baustellen und Eisenpfeiler wirken brutal auf mich, als hätte man in einen Körper Operationsbesteck getrieben und sei dann zur Mittagspause in die Kantine gegangen, derweil der Patient auf seiner Matte weiter darbt.

Die moderne Welt, die hier entsteht, züchtigt den Erdkörper, bevor sie ihn mit Beton und Glas umhüllt und elektrischem Licht wärmend erhellt. Dem Blick verborgen bleibt normalerweise die geschundene, vergewaltigte Natur, die bricht und bröckelt und sich schließlich zudecken und verbergen lässt. Bezwungen. Und wir Feinde der Natur sind auch Natur, vergessene. In Bussen karrt man die Arbeiter zu ihren Werkstätten, die Maschine muss geölt werden. Gibt viel zu tun.

Und wir Urlauber ducken uns unter den Blicken hinweg. Wir werden weiterfahren, dorthin wo’s schöner ist, wo man von Gewalt und Macht weniger sieht. Zuschauer, die lieber nicht alles sehen.

Mittagszeit. Sonnenzeit. Ist so hell draußen.

Ich drück mir meine rosarote Sonnenbrille lieber noch etwas fester auf die Nase.

Sollst nicht kaputt gehen (ausnahmsweise). 

🐾 Panthapapers

Die Fahrt entlang von Baumreihen, die durch breite Wassergräben voneinander getrennt liegen. Oft auch die wilde oder verwilderte Variante, ein undurchsichtiges Blätterwerk. Man hat gerade genug Zeit, sich Sorgen über die Bewohner dieses Dickichts zu machen, wenn man fürs kleine Geschäft von der Straße wegtritt. 

Warane sehen wir immer wieder. Die würden uns nicht auffressen können, aber ihr Gift, sagt das Internet, soll dennoch recht unangenehm sein. 

In einem Hotel, noch im Osten Bangkoks, sind wir einem Russen begegnet, der mit seiner Frau und seiner erwachsenen Tochter die Abende auf der Terrasse verbrachte, und mit dem ich mich eine Weile unterhalten habe. Seit 35 Jahren kommt er nach Thailand zum Speerfischen, sagt er, und zeigt mir Bilder von sich mit erlegten Fischen von enormen Ausmaßen. Sie sehen beinahe so aus, als hätten sie ihn verschlingen können. Aber mit barer Brust und siegreichem Lächeln hält er das prächtige Tier in die Kamera. Überall auf der Welt war er schon, überall zum Speerfischen.

An ihn muss ich kurz denken, während ich in die gefahrvollen Untiefen des Gehölz spähe. Ich schätze, jeder hat seine Art, mit der Übermacht der Natur umzugehen, etwa einen mythischen Kampf mit ihren Monstern zu reinszenieren. Für heute versuche ich einfach, etwas schneller zu pinkeln.

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