Freitag 16.2.2024 Fahrt nach Cha-am (30 km)

🦄 Ponypapers

Bei einer geplanten Strecke von 30 km lohnt es sich nicht, früh aufzustehen. Endlich mal wird’s keinen Mittagsschlaf geben. Wenn unsere Strecken aber weiterhin diese Längen haben, werden wir noch ein halbes Jahr benötigen, bis wir im terroristischen Süden des Landes angekommen sind. Keine Ahnung, vll zieht’s uns da einfach nicht so schnell hin? Wie auch immer, unser Visum läuft um den 20sten herum aus und morgen wird’s wirklich Zeit, es zu verlängern, aber heute ist nochmal Fahrtag angesagt.

Obwohl es schon früh heiß wird, laufen meine Gedanken rädernd von Krokodilen, zu Nietzsche, zu Geschichte und zurück. Und wow, Fahrradwege haben die hier. Abgetrennte von den Straßen, ein ganz eigener Weg mit Mittellinie, um Zusammenstöße mit anderen Fahrradfahrern (wenns denn welche gäbe) zu verhindern. 

Nein, Bangkoks Straßen dürfen kein Urteil über Gesamtthailand bestimmen, da wäre doch etwas mehr Zurückhaltung angebracht gewesen, da sollte man sich neutraler und unvoreingenommener mit beschäftigen. Nicht nur persönliches, auch ein wenig Recherche nehme ich mir vor. Für später freilich. 

Bei einem Kitten Café machen wir Pause. Und wisst ihr, was ein Kitten Café ist? Das ist ein Ort, wo man sehr gemütlich teuren Kaffee trinken kann und dann in einen extra Raum gehen und sein Bedürfnis nach Kuscheln und Zärtlichkeit an kleinen Katzen stillen darf. 

Der Hammer! Katzen! Süße, kleine, niedliche…!

Lili verschwindet hinter der Tür und sieht sich allein Aug in Aug mit ca 20-25 Katzen. Was die Kleinheit allerdings anbelangt, hat man geflunkert, die Mehrzahl von ihnen macht ausgewachsene prächtige Langhaarkatzen von sicherlich mehreren stolzen Kilo Gewicht aus, die aber immerhin friedlich in Ecken und auf Kletterterrassen schlafen und mich keines Blickes würdigen.

Ist auch gut so, ich wette, die könnten Kleinholz aus mir machen, ehe ich auch nur Hallo sagen kann. Ich setze mich in eine Ecke und sehe eine kleine, die einzige kleine Babykatze in Grau auf mich zu wanken. Also wenn die Augen einer kleinen Katze verwirrt und traurig aussehen können, diese sind’s. Sie wankt bis auf einen Meter Entfernung auf mich zu, dann zweifelt sie an ihrer Entscheidung. Lässt sich aber schließlich näher locken und streicheln. Meine Fresse, fühlen sich die Knochen zerbrechlich unter ihrem Fellkleid an. Viel scheint sie indes von meinem Gestreichel nicht zu halten. Sie lässt es mehr über sich ergehen wie einen kurzen Regenschauer, den man eigentlich nicht mag, der nur so wegen der ewig trocknen Einöde und Langeweile ganz passabel ist.

Inzwischen räkelt sich eine zweite Katze nach oben: Jugendlich, selbstbewusst, langbeinig. Sie zeigt wie’s geht. Einmal dran schmiegen, dann weg, nochmal dran schmiegen. Schwanz hoch, Hintern zeigen. Nun ja, subtil sind Katzen nicht.

Wie die kleine Katze nun bemerkt, dass die Aufmerksamkeit ihr flöten geht, wirft sie sich etwas mehr ins Zeug und wälzt sich auf den Rücken, haut ihre Tatzen spielerisch in die Luft. Wenn’s Interesse am Spielen gibt, warum nicht. Ich lass einen Spielzeugball kreiseln, die beiden Katzen verfolgen ihn mit Blicken desinteressiert. Es wird gestreichelt und etwas Zeugs bewegt, die Katzen bemühen sich, der Blick bleibt traurig. Da trabt plötzlich ein 5 kg  weißes Langhaar auf mich zu und steigt mir nichts, dir nichts auf meinen Schoß. Ich wage es nicht, sie zu streicheln. Fürchte die Folgen, sollte mein Versuch kein Behagen finden.

Und die lassen Kinder hier rein?? Lebensgefährlich ist das. Wann wird wohl die Königshaarkatze geruhen, von meinem Schoß herab zu steigen? Wann wird Adrian kommen, mich zu retten?

Nun spür ich das Schmiegen einer schwarzbraun Gestreiften am Rücken. Sprungbereit reckt sich eine Getigerte auf dem Kletterbaum und ein weiteres Langhaar bewegt meinen Spielball, den ich furchtsam ob einer falschen Bewegung losgelassen habe. Die kleine Graue zittert, als die Gestreifte, um uns streifend, verächtlich an ihr riecht, sich dann weg wendet. Die Jugendliche gibt sich trotz allgemeiner Aufmerksamkeit und erwachender Bewegung unbeeindruckt – mit diesen langen Beinen ist man schnell aus der Reichweite der Schwergewichte. 

Dann plötzlich erhebt sich das weiße Langhaar, drückt einmal ihre Pfote in meine Bauchgegend als könnte man mit dieser Bewegung die kaputte Streichel-Maschine doch noch in Gang setzen, ein halbes, unmotiviertes Schnurren, dann – ich verharre reaktionslos – schleicht sie sich von dannen.

Diesen Moment nutze ich, um hochzukommen, schon bin ich bei der Tür, verfolgt von der kleinen Grauen, vor deren Nase ich die Tür grausam schließe. Habe bekommen, was ich für teuren Kaffee mir erkauft, mir gewünscht habe. So süße Katzen!

Ich lasse mich wieder neben Adrian, der nichts von meinen Abenteuern ahnt, in den Stuhl fallen. Diese Katzen. Glaub, die sind alle gestört!

🐾 Panthapapers

Als Schreiberling mit Buch und Stift in Cafés zu sitzen, erschafft einen beachtlichen Kontrast zum restlichen Publikum, das üblicherweise allein mit seinen Handys beschäftigt ist. Kopfhörer auf, und man kann inmitten dröhnender Smoothie-Mixer, Kaffeemaschinen, Straßenlärm und den Youtube-Videos seiner Nachbarn leichthin ein paar Gedanken zum Tag zusammen sammeln.

Natürlich muss man gelegentlich etwas am Handy suchen. Wie hieß dieses Gericht nochmal? Wann waren wir in Angkor? Wie viel Euro sind 70 Baht? Ganz kurz: Wie ist noch mal der Kontostand?

Ach ja, wenn ich schon mal dabei bin, welches Hotel steuern wir eigentlich morgen an? Und welche Route sollen wir nehmen? Wie wird denn das Wetter? Woher kommt der Wind? Noch kurz die neuen Bilder durchgehen und dann gleich zurück zum Schreiben. Nur fix die News checken…

Als stiftehaltender Seitenbekritzler mag man ein Atavismus sein, man gehört der Gegenwart dennoch weit genug an, um ihr Opfer zu werden. Aber es tut gut, das auf Papier zu schreiben.

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