Samstag 17.2.2024 Cha-am

🩄 Ponypapers

Uppsa, wir können das Visum heute nicht verlĂ€ngern und auch morgen nicht, denn es ist Wochenende, puh, ganz schön knapp, es am 19ten zu verlĂ€ngern, wenn das Visum irgendwann um den 20sten herum ablĂ€uft. 

Und ein wenig Strecke sollten wir auch mal wieder machen, denn das grĂ¶ĂŸte StĂŒck haben wir noch vor uns. Und außerdem ein kleines Problem am Ende, denn an der Grenze zu Malaysia gibt es Unruhen. Genau genommen rĂ€t das AuswĂ€rtige Amt dringend von Besuchen in diese Region ab: “In den Provinzen Narathiwat, Yala und Pattani sowie Teile von Songkhla im SĂŒden Thailands an der Grenze zu Malaysia kommt es regelmĂ€ĂŸig zu Auseinandersetzungen zwischen Separatistengruppen und SicherheitskrĂ€ften sowie zu terroristischen AnschlĂ€gen auch auf von AuslĂ€ndern frequentierte Ziele.” Usw. Usf. 

Nun sind, wie Adrian bereits bemerkt hat, die Informationen des auswĂ€rtigen Amtes zu jedem beliebigen Land wahrlich alarmierend und zu Deutschland fehlt ja leider eine vergleichende EinschĂ€tzung. Dennoch kann man sich ungefĂ€hr vorstellen, wie das aussehen mĂŒsste: “FĂŒr auslĂ€ndische Touristen besteht ein erhöhtes Risiko, Opfer eines rechtsextremistisch motivierten Terrorangriffs zu werden. Seit 2001 wurden 20 Menschen

auslĂ€ndischer Herkunft getötet, sowie 27 weitere Personen bei den AnschlĂ€gen ebenfalls tödlich verletzt. Angriffe von EinzeltĂ€tern und neurechten Gruppierungen können nicht ausgeschlossen werden. Zudem wurde Deutschland mehrmals Ziel islamistisch motivierter Terrorakte. Seit 2001 starben 17 Menschen, 13 davon, als ein Lastwagen 2016 auf einem Weihnachtsmarkt in die Menge raste. Zahlreiche weitere wurden verletzt. Meiden Sie daher grĂ¶ĂŸere Menschenansammlungen und halten Sie sich von FlĂŒchtlingsunterkĂŒnften, Synagogen und Dönerbuden fern.”

Sollte es einem als Tourist in Thailand passieren, bei einem Terrorangriff zu Tode zu kommen, dann wohl eher, weil man zufÀllig ins Kreuzfeuer geraten ist, sind doch die AnschlÀge nicht fremdenfeindlich, sondern separatisch motiviert.

Die “ThailĂ€nder” in den drei Provinzen sind vorwiegend malaysische Muslime, die lieber in Malaysia wohnen wĂŒrden denn in Thailand. Schuld daran ist meiner Recherche nach eine etwas unglĂŒckliche Grenzziehung, die Thailand nun nicht mehr nachbessern mag. Und nun ja, welches Land ist da schon kompromissbereit? Daher sichern nun 70 000 Polizisten und Soldaten die Gebiete, was wiederum dazu beitragen könnte, dass die Muslime die Thais noch ein wenig mehr als böswillige Kolonialmacht empfinden, die ĂŒber ihre Traditionen, ihre Kultur gedankenlos hinweg geht und sie wirtschaftlich und sozial benachteiligt. 

Die grĂ¶ĂŸte Sorge Thailands besteht wiederum darin, dass die grassierende Unzufriedenheit zu einer Extremisierung der Separatisten und ihrer Sympathisanten beitragen könnte und sich eine echte, rechte islamistische Terrorzelle bildet. Also heißt es vorbeugend eingreifen, die Exekutivgewalt vorfĂŒhren und Straßen und ZĂŒge und ganz besonders amtliche GebĂ€ude mit maschinenpistolenbewehrten Personal ausstatten. 

Eine komplizierte Lage, selbst unklar, wem hier, welche und wie viele Sympathien gelten. Eingestanden, meine Recherche ist eher egoistisch motiviert, weder Adrian noch ich sind scharf darauf, wegen eines dummen Zufalls Opfer eines wie auch immer motivierten Anschlags zu werden, sodass unsere Risikobewertung fĂŒr unsere eigene egoistische Person die vorrangige Frage bleibt. Eigentlich wĂŒrde uns unsere Route durch alle drei Provinzen fĂŒhren, denn wir wollen aufgrund klimatischer Bedingungen eigentlich die OstkĂŒste von Malaysia entlang. Wie wir herausfinden, lassen sich durchaus einige Bikepacker nicht von den politischen VerhĂ€ltnissen stören. Wir erfahren, dass soviel MilitĂ€r fĂŒr unser Aug’ vll etwas gewöhnungsbedĂŒrftig wirke, das Essen zum Ausgleich allerdings sehr gut und gĂŒnstig gewesen sei.

Aber nun ja, was soll man aus solch persönlichen Erfahrungen lernen? Außer, dass man in jedem Fall eine gute Henkersmahlzeit serviert bekommt? Nein, da wird man noch etwas weiter auf Googles riesigen Erfahrungsschatz zurĂŒckgreifen mĂŒssen, der Persönliches wie Unpersönliches enthĂ€lt.

Und siehe da, da schreibt jemand anders, dass die terroristische Gefahr in jedem Fall zu vernachlĂ€ssigen sei, angesichts dessen, dass man sich im “Todfahrland Thailand” bewege, wo Jahr fĂŒr Jahr tausende Menschen ihr Leben im Straßenverkehr ließen, wĂ€hrend man bisher 0 tote Westler durch TerroranschlĂ€ge zu verzeichnen habe. Allein die letzten 50 km Fahrt mit dem Pickup zur Grenze seien weitaus gefĂ€hrlicher als der fĂŒnfmonatige Aufenthalt in den genannten Provinzen. Na, das klingt doch ĂŒberzeugend! Am Ende gehe ich also doch beruhigt schlafen, denn gegen das Tot-Gefahren-Werden habe ich ja mit viel magischem Denken bereits vorgesorgt. 

đŸŸ Panthapapers

Viele der obligatorischen FernsehgerĂ€te in den Hotels von Vietnam oder Kambodscha bis nach Thailand sind so unermesslich gigantisch in ihren Ausmaßen, dass man sie glatt mit ZimmerwĂ€nden verwechseln könnte. Reichen sie nicht sogar hinauf bis jenseits der Decke in den nĂ€chsten Stock?

Wir schalten zu wenige von ihnen ein, um ihre BildqualitĂ€t ausmachen zu können. Ich nehme an, dass 1800 mal 960 Pixel auf fĂŒnf Quadratmeter gestreckt ebenfalls einen gewissen Abstand erfordern, um in der erleuchteten FlĂ€che mehr als eine modern-abstrakte Farbinstallation zu sehen.

Hin und wieder schauen wir aber doch, zur interkulturellen Weiterbildung, fĂŒr die VölkerverstĂ€ndigung. Immerhin reist die hiesige Bevölkerung nicht annĂ€hernd so viel ins internationale Ausland wie unsereiner. Da ist man fĂŒrs Weltwissen durchaus auf die Mattscheibe angewiesen. 

Das TV ist bei uns ja als VergnĂŒgungsbox der Unterschicht verschrien. Privatsender und Teile des öffentlichen Rundfunks haben sich jahrzehntelang alle erdenklichen MĂŒhe gegeben, diesen Ruf aufzubauen und zu festigen. Die Talkshows, die in meinen Teenager-Jahren ihren Höhepunkt erlebten, dicht gefolgt von den Gerichtsshows, die “HerzenswĂ€rme als Kommerz” der seichten Beziehungs-Soaps im Vorabendprogramm. Arme Irre und hilfsbedĂŒrftige Menschen die man reihenweise vor laufender Kamera lĂ€cherlich machte, unter dem Vorwand, ihnen zu helfen, etwa beim Entschulden, beim AufrĂ€umen, beim Auswandern etc., und das nur, damit ein Uwe oder Herbert, der seit vier Jahren arbeitslos vor der Glotze hockte, sich beim Anblick dieser armen Leute einreden konnte, so tief immerhin stehe er nicht in der sozialen Hierarchie. Dass die da, die da wirklich dumm waren! 

An Stefan Raab denke ich, das Riesen-Arschloch, das es geschafft hat, aus seinem miesen Charakter Geld zu machen. Ikonen einer ganzen Ära gleiten da an meinem geistigen Auge vorbei. Jeder, der jemals fĂŒrs Fernsehen gearbeitet hat, darf sich mit Stolz auf die Brust schlagen: Wahrlich, ihr habt die Welt zu einem besseren Ort gemacht. 

Wie auch immer, das Ganze ist ja lĂ€ngst vorbei und entrĂŒckt. Fernsehen sieht bei uns nur noch die Alterskohorte zwischen “Kurz vor der Rente” und “Kurz vor dem Tod”. Aber in sĂŒdostasiatischen Hotels ist das anders. Auf den Flachbildschirm ist sehr viel mehr Verlass als auf den Wasserkocher. 

Kommt man in ein gebuchtes Zimmer, gehört er mit Licht und Klimaanlage zu den Sachen, die auf einen einzigen Knopfdruck allesamt im Vorhinein angemacht werden. Man betritt keinen stillen Raum, sondern stets einen von Stimmen erfĂŒllten. Helle Bilder wischen ĂŒber die Leinwand, alle Lampen strahlen einem entgegen und stĂŒrmisch pustet die AC einem arktische Nordluft ins Gesicht. Die erste Herausforderung nach Ankunft besteht immer darin, all die versteckten Schalter, Knipser und Hebel zu finden, mit denen man den Tumult wieder beruhigen kann.

Manchmal aber lassen wir das TV-GerĂ€t auch laufen und schalten uns durchs Programm. Doch was sieht man da? Dokumentationen ĂŒber das Leben der Dinosaurier? Diskussionsrunden ĂŒber die Werke der hohen Literatur? Reiseberichte wenigstens ĂŒber ferne LĂ€nder?

Von wegen. Dauerwerbesendungen fĂŒr irgendeine nutzlose Kosmetik-Paste, die man sich ins Gesicht schmieren soll, danach triste, braune Vitamin-Kapseln, zuletzt eine völlig ĂŒberdrehte Kochshow. Auf zahlreichen KanĂ€len scheint es darum zu gehen, dass irgendein Delinquent etwas angestellt hat und nun von der Polizei zur Verantwortung gezogen wird. Grob pixelige Handyvideos vom “Verbrechen” wechseln sich mit Interviews mit Zeugen ab, die allesamt in stiller Empörung ĂŒber diesen Unhold den Kopf schĂŒtteln. Das geht so stundenlang. Das geht so tagelang. 

Auch wenn ich nicht viel von diesem Nonsens begreife, verstehe ich doch, dass es nichts zu verstehen gibt. Damals wie heute, hier wie zu Hause: man verblödet, wo man nur kann, und setzt auf die niederen BedĂŒrfnisse der Menschen.

VölkerverstĂ€ndigung immerhin ist so ganz leicht. Man trifft sich auf einer Ebene. Der wesentliche Unterschied aber, und das einzige, was ich ursprĂŒnglich sagen wollte, ist: die Bildschirme sind hier viel grĂ¶ĂŸer.

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