
🦄 Ponypapers
Die heutige Strecke beträgt laut Google 48 km, Mapy will daraus 56 km machen. Aber schön ist die Strecke nicht, die sie da raus sucht. Sie führt zwar von den großen Straßen weg, aber auch vom Meer, wo’s am schönsten ist.
Na, wenn wir das nicht besser können. Wenn wir erst hier lang fahren und dann da lang, 8 km bis zur Küste nur, vll durch den Nationalpark, man kann ja mal schauen. So wählen wir unseren eignen Weg, siehe da am Strand entlang, um den Affenberg herum, “hast du gesehen, den Tempel da droben?”, gönnen uns eine frühe Pause nach 15 km, dann wird’s schon heiß. Und heißer. Ob so ein Campingplatz so eine gute Sache ist? Bei der Hitze und den Temperamentadern auf der Stirn?
Durch den Nationalpark geht’s auch nicht, wirklich jeder Weg wird durch etwas Stacheldraht unpassierbar gemacht und groß & fett prangt unter einem Schild, auf dem man ein über den Zaun steigendes Männchen sieht, der stolze Preis von 2000 Baht.
Also doch wieder zurück und die große Straße entlang. Der offizielle Durchgang durch den Nationalpark (100 Bath) lohnt sich für die paar Kilometerchen auch nicht und als wir schließlich beim nächsten Dorf ankommen, sind wir zwar noch 30 km von unserem Zielort entfernt, aber trotzdem bereits 50 gefahren.
Planänderung, ein Hostel vor Ort wird gesucht, nun da ich keine Watt mehr sparen muss, lass ich mich von meinem Pferdchen die letzten 3 km nur so dahin kutschieren, während Adrian sich in voller Mittagshitze noch über die 3 Brücken und über die Schienen quälen muss. Mensch, das sieht aber anstrengend aus.
Vor Ort wird uns allerdings mitgeteilt, das Hostel sei “full” und unsere Reservierung nichts wert. Immerhin kriegen wir das Geld zurück. Leider ist in nächster Nähe absolut alles “full” oder teuer und so machen wir uns wieder auf den Weg für die letzten 30 km.
War jetzt nicht so schlau, Megawatt mit voller Power über die Brücken zu treiben, Megawatt schwächelt. Wir kämpfen uns vorwärts, 17 km vor der Herberge gibt Megawatt trotz aller Mühen den Geist auf. Rotgesichtig, schweißgetränkt geht’s weiter.
“Du Adrian, mich hat wieder ne Mücke gestochen.”
“Hmpf.”
“Du, Adrian, die war ganz besonders gemein!”
“Hmpf.”
“Meine Füße sind auch geschwollen. Guck, wie dick die sind!”
Echt, will der sich denn gar nicht um seine Freundin kümmern?
“Duuu – die Mücke…” Er wirft mir einen Blick zu.
Na gut, dann eben später. 300 Meter trennen uns noch von unserer Herberge, vor uns türmt sich eine Fußgängerbrücke, die über die Autobahn führt, die wir überqueren müssen. Treppen!
Wir schnallen die Sachen ab, still tragen wir sie gemeinsam hoch, dann folgt Adrian zuerst mit Megawatt, dann mit Calli. Gleiches Spiel auf der anderen Seite.
Zur Herberge und drei Stockwerke nach oben.
Adrian hat zwar meiner Meinung nach den Schweißausbruchwettbewerb gewonnen und zwar kurz nach der Brücke, aber ich gewinne den Preis für das reifere Gesichtsobst. Nee, ne Tomate ist das nicht mehr, aber Pflaume, glaub ich, kommt ganz gut hin. Aber was ich eigentlich sagen wollte:
“Duu, Adrian, also die Mücke…”
🐾 Panthapapers
Seit einer Weile denken wir darüber nach, eine kleine Liste zu veröffentlichen mit den Ausrüstungsgegenständen, die wir dabei haben. Beginnen würden wir sie mit den Top 3 der jeweils nutzlosesten und nützlichsten Dinge.
Ein Kandidat für das Siegertreppchen überflüssigen Ballasts wäre etwa das Zelt. Schön schwer mit seinen Stangen, Metallheringen und dem ganzen Stoff. Oder aber meine Isomatte. Die hat zwar kein Gewicht, aber ich habe mich aus Furcht vor weiteren Löchern gegen eine aufblasbare entschieden. Man kann sie falten, aber sie braucht eine Menge Platz. Wirklich schwer wiegen hingegen die Powerbanks, von denen ich – wohl in einem hysterischen Anfall – glaubte, sechs Stück mitnehmen zu müssen. Die Vorstellung, womöglich keinen Strom zu haben, während ich auf meiner Isomatte im Zelt liege, muss wohl zu schreckenerregend gewesen sein.
Manche Sünde habe ich bereits korrigiert. Die voluminöse Latein-Grammatik etwa und das Langenscheidt-Werk zum Erlernen der vietnamesischen Sprache habe ich nach einigen Wochen desillusioniert in Hotelfoyers abgelegt.
Platz Eins der nützlichsten Anschaffungen würde, nebenbei bemerkt, die elektrische Luftpumpe einnehmen. Sie verrichtet das, was sonst nur ein riesiger Kompressor könnte, im Format einer Spielekonsole. Das waren gut angelegte fünfzig Euro. Der Gedanke allein, bei 35 Grad im Schatten immer und immer wieder Reifen aufzupumpen, treibt mir schon den Schweiß aus den Poren.
Leider hat auch sie ein ordentliches Gewicht. An all das, was da in unseren Taschen steckt, denke ich, während wir sie und unsere beiden Ponys mal wieder über eine Fußgängerbrücke auf die andere Seite der Autobahn hieven. Dort ist unser Hotel. Ein Hotel ohne Aufzug, wie sich herausstellt. Man gibt uns ein Zimmer im dritten Stock. Als wir endlich alles oben haben, bin ich ein Wasserfall. Ich stelle mich unter die Dusche und plumpse danach ins Bett.
Eine Luftpumpe haben wir heute nicht gebraucht, glücklicherweise. Das einzige, was platt ist, sind wir. Morgen Früh soll es weitergehen. Natürlich auf der anderen Seite der Autobahn.
