
đŠ Ponypapers
Wir verlassen die groĂe TodfahrstraĂe und biegen ab in Richtung des Strandes, obwohl in meinen Ohren und Gedanken noch der Verkehr nachtönt.
Thailand hat da wirklich ne schlechte Bilanz hingelegt: 36,2 Verkehrstote kommen auf 100 000 Einwohner (bei uns sind es 4,1) und mit dieser Zahl rangelt Thailand mit Liberia um den 1. Platz der LĂ€nder mit den meisten Verkehrstoten.
Ăbrigens (sorry, was man gelesen hat, muss irgendwann wieder nach drauĂen aufs Papier) ist ein Verkehrsunfall die acht hĂ€ufigste Todesursache (noch vor AIDS, Tuberkulose & Durchfallerkrankungen). Einmal damit angefangen, wollte ich auch noch die anderen raus kriegen, aber meine Suche verlor sich inklusive der Verkehrstoten bald im Dickicht der Zahlen. Die Rangliste der GrĂŒnde, an denen man am ehesten sterben wird, hĂ€ngt stark davon ab, wie sehr die Krankheitsbilder differenziert werden. Steht jede Krebsart fĂŒr sich oder werden sie alle in einen Topf geworfen? Obwohl ich jetzt weiĂ, woran wir am wahrscheinlichsten sterben, schweige ich. Respekt vor den Hypochondern unter uns, so nenne ich das!
ZurĂŒck nun aber zu den Verkehrstoten. Vietnam mit seiner dichten Bevölkerung und dem PC-Spiel-Verkehr kommt auf 26,4 Tote und Malaysia, fĂŒr das ich mich aus naheliegenden GrĂŒnden interessiere, auf nur 23,6.
Kambodscha mit seiner wohl eher geringen Verkehrsdichte schafft immerhin einen Wert von 17,8, landet aber trotzdem auf dem preislosen letzten Platz unserer WahllÀnder.
Nun warum, so wollen wir uns fragen, ist der Verkehr hier so viel tödlicher als bei den verehrten Nachbarn?
Google spekuliert, dass die weit fortgeschrittene Industrialisierung Thailand herrlichste, moderne, breite StraĂen beschert hat, auf denen man wunderbar rasen kann. Und rasen kann man ebenso wunderbar mit den Pick-Ups und Jeep-SUV-Panzern, die den Fahrer ganz unbeschadet ĂŒber Unebenheiten wie Roller- und Motorradfahrer brettern lassen können. Ÿ der Toten sind Zweiradfahrer, da muss man die Messlatte schon was höher legen, sind hier doch weit weniger unterwegs als in Vietnam und Kambodscha. Zugegeben sind die Zweiradfahrer zwar weit hĂ€ufiger als bei uns, aber doch bereits im Schatten der metallenen Karosserien der kunstlederbestĂŒckten WohlfĂŒhlzonen.
Ein FĂŒhrerschein, welcher in unserem frĂŒhen Erwachsenenalter den zitter-bangen Gegenstand fĂŒr einen endlosen, zĂ€hen GesprĂ€chsfluss bildete (âalso, als ich mit meinem Fahrlehrer unterwegs war, der ja, wie ihr wisst, so âŠâ), ist er hier ein Lappen, der zur ErnĂ€hrung eines Beamten dient. Ein paar Scheinchen rĂŒber und los kannâs gehen: Die Kleinparty mit deinen Freunden hinten im Laderaum? Betrunken am Steuer? Ein Kavaliersdelikt. GeschwindigkeitsĂŒbertretung? 10 Dollar und ein kurzer Austausch:
âMerkt man in deinem Raser auch nichts von der Geschwindigkeit?â
âNe, ganz glatt lĂ€uft der um die Kurve. Kann ja nicht die ganze Zeit mein Auge auf den Tacho nadeln. Wenn du verstehstâŠâ
âIch hab neulich ein paar Fotos von meiner Familie geschossen. Hier das Selfie, ich am Steuer, meine FrauâŠâ
âDie ist aber sĂŒĂâ
âMeine drei Kleinen.â
âSo sĂŒĂâ
„Ja, und der Hintergrund durch die Fenster einfach verschwommene Farbenpracht, so geil ist das.â
âHier 500 Bath. Kauf deiner Frau was Nettes. Und GrĂŒĂe an die Kleinen. Wir sehen uns.â
âBei der nĂ€chsten Kontrolle. Haha!â
âDa sagst du was, haha. Ich werde noch arm, wenn das so weitergeht.â
Naja, wollen wir mal nicht so sein. Wir haben ihnen den Klimawandel beschert, wenn sie sich an ein paar radelnden Touristen rÀchen, sollte man ihnen das nicht krumm nehmen. Man lebt, man stirbt. Es ist ein Rad.
âSo kam der Fahrer eines Pick-ups, der 2014 zwei britische Fahrradtouristen ĂŒberfuhr & tödlich verletzte, mit einer BuĂe von umgerechnet 30 Franken davon.â
đŸ Panthapapers
Der Besitzer des zu Deutsch âBaumcafĂ©sâ bietet auch CampingstellplĂ€tze an. AuĂerdem vermietet er Zelte, organisiert Konzerte, gibt Segelkurse, bringt interessierte Touristen zu den Kokosnussplantagen und kocht. Emsig zĂ€hlt er die Gerichte auf, die er zubereiten könnte. Mit so viel GeschĂ€ftstĂŒchtigkeit vertreibt er leider uns als seine Kunden, die sich schon wohlzufĂŒhlen begannen.
In diesem CafĂ© lernen wir Jessie kennen. Sie kommt aus Irland, fĂŒhrt Wandergruppen sonst durch die dortige raue, bergige Landschaft, stĂŒrzt sich mit dem Kajak in die wilden, eiskalten Fluten des Atlantiks und lehrt werdenden Abenteurern in Norwegen, wie man auf hoher See fischt.
Dementsprechend schnell fĂ€hrt sie auch Rad, beinahe etwas zu hurtig fĂŒr unseren treu stampfenden Megawatt und den kuglig kullernden Klapper-Calli, dessen Hinterbeine in den letzten Tagen wieder beginnen, gefĂ€hrlich wirr kreuz und quer zu hopsen. Irgendein Schlagloch hat ihm erneut einen leichten Sprung in der SchĂŒssel verpasst und so eiert das Hinterrad etwas missglĂŒckt von Rechts nach Links und zurĂŒck.
Anyway, wir erreichen unsere angestrebte Unterkunft fĂŒr den Tag, Jessie will noch etwas weiter und so endet unsere kurze, nette Gemeinschaft. WĂ€hrend der Fahrt ist es schwer, sich zu unterhalten. Ein Konzert hĂ€tten wir im âBaumcafĂ©â vermutlich nicht gegeben und bei dem redseligen Herren auch keinen Segelkurs belegt. Aber einen zweiten Kaffee, den hĂ€tten wir vielleicht noch getrunken.

