
🦄 Ponypapers
Wir fahren durch ein Disney-Chanel-Paradies. Sind wir noch drunten? Oder bereits droben? Die Palmen ragen grün und schnittig aus dem Sand. Das Morgenlicht wirft scharfe Schatten. Zwei blauschwarze Paradiesvögel jagen einander und wir jagen zwei schneeweiße, langflügelige Vögel nach oben, als wir mit unseren schweren Draht-Pferdchen vorbei preschen. Die weißen Körper wirken fast übernatürlich in ihrer Reinheit vor dem sonst so farbenprächtigen Hintergrund.
Kaum ein Stück gefahren und wir kommen an einer frei grasenden Kuhherde vorbei. Ein Vögelchen sitzt wie im Trickfilm auf dem großen Rinderleib und pickt in aller Ruhe ein paar Parasiten. Zwei gegensätzliche Freunde, die geruhsam picknicken.
Erst im Café habe ich den Eindruck, aus der Traumwelt zu erwachen. Disney hat wohlweislich die Mücken ausgelassen und im Paradies wohnt, wie jeder weiß, nur die scharfsinnige Schlange.
Nach etwas Blutzoll für all die Schönheit machen wir uns wieder auf den Weg.
🐾 Panthapapers
Die Leute hier scheinen Lili’s Namen sehr zu mögen. Schon als wir ankamen, wurde er freudig von den Frauen hin- und hergeworfen. “Ist Lili da?”, “Ja, ja, Lili ist da”, “Oh, Lili ist da!”. Sofort wurde sie zum ersten und einzigen Ansprechpartner, während man meine Person – wie meinen Namen – geflissentlich ignorierte.
Zum Abendessen tanzt die halbe Belegschaft an, reicht Madame die Speisekarte und steht und wartet geduldig und befehlsempfangsbereit auf die Order.
Als ich aus dem Meer steige, sieht es so aus, als hätte ein König seinen Generalstab einberufen. “Erst die Suppe, Majorin Kung, darauf baut alles weitere auf.”
“Selbstverständlich, Eure Majestät.”
“Und darauf folge der Fisch auf dem Fuße, Admiralin Jolatén, aber sorgen Sie für den Reis, das ist von oberster Dringlichkeit, verstehen Sie?”
“Gewiss, Eure Majestät, der Reis genießt ohne Frage oberste Priorität.”
Ich getraue mich kaum, dieses militärstrategische Briefing zu unterbrechen und bleibe in der Nähe artig triefend stehen wie ein guter Soldat.
Aber dann ist es auch vorbei, die Generalität marschiert ab. Und ich kann mich auf’s Essen freuen. Das wird hervorragend.
Als wir heute Morgen aufbrechen, droht der Himmel mit weiteren Überraschungsangriffen. Kein Problem, sagen die Damen vom Hotel und reichen uns kostenlos Schutzanzüge. Alles, alles tut man gerne – für Lili.
