Freitag 1.3.2024 Prachuap Khri Khan Provinz

🦄 Ponypapers

Ein weiterer Stranddöse- & Meertauchtag. Während ich in der Hängematte liege, nur um die Lider meiner Augen für einen weichen, blauen Himmelstrunk gelegentlich zu öffnen, kommt mir der Traum der vergangenen Nacht wieder in den Sinn.

Keine Faulenzer waren wir, nein Adrian & ich arbeiteten in einer Firma, die im Laufe des Traums nach und nach in ein Hotel überging. Es gab viel zu tun, irgendwas mit Verwaltung, man konnte einigermaßen gut Geld verdienen und Geld konnten wir gut gebrauchen. Immer hatten die Gäste Sonderwünsche und anstatt uns um den Verwaltungskram zu kümmern, für den wir eingestellt worden waren, mussten wir Tag ein, Tag aus mit den Aufzügen nach oben oder unten fahren, um eine Kleinigkeit in einem Zimmer zu arrangieren. Hier sollte die Balkontür offen stehen, dort wünschte sich der Gast den Blumenstrauß ein wenig weiter rechts von der Mitte des Tisches. 

Die meiste Zeit verbrachten wir aber auch gar nicht mit der dezenten Nachbesserung von Zimmerwünschen, sondern waren auf langen Korridoren unterwegs, immer zu den Aufzügen, ein Netz von Aufzügen, auf die man immer warten musste und die fast nie zu dem Stockwerk führten, zu dem man eigentlich hätte fahren sollen.

Dann aber gabs eine Betriebsfeier und alle hatten unsinnige, bunte Papierspitzhüte auf wie die Partysmilies von Whatsapp. Wir feierten den Geburtstag einer der Empfangsdamen aus dem Foyer, eine von fünf Blondinen, die für mich alle miteinander austauschbar waren und von denen ich mich nur fragte, warum sie nie diese Kleinigkeiten in den Räumen machten, denn waren sie nicht für derlei unterbezahlte Arbeit wie hübsch aussehen, sauber machen & Kaffee kochen auf der Welt?

Eine ihrer Kolleginnen klopfte an ein Glas. Sie habe mit den anderen ein Geburtstagsständchen vorbereitet, das sie nun gerne ihrer Kollegin und den Gästen darbieten wollen würden.

“Auch das noch!” Ich warf Adrian einen vielsagenden Blick zu, er zuckte schicksalsergeben mit der Schulter. Auch dieser Tag wird vorübergehen. Dann fingen die vier an zu singen & und bei den Göttinnen, konnten die singen. Sie sangen von der Kollegin, die sie nicht kennt, die ihnen nie einen Blick zuwirft und die keine Fragen stellt. Sie wissen, ihre Kollegin ist eine Fremde, die nur vorübergehend in Gefangenschaft genommen wurde. Sie habe Ziele, die seien musikalisch und malerisch und lyrisch. Die Ziele der Kollegin seien hoch. Hier würde sie nicht hin gehören. Sie sei eine Fremde und das zu Recht, an diesem Ort, wo jeder dem anderen fremd werden müsse und stets nur die Maske des Lächelns trage. 

Sie alle trügen die Maske des Lächelns und könnten einander nichts Echtes sein. 

Nun ist dies natürlich nur ein grober und trivialer Ausschnitt aus einem Meisterwerk. Viel konkreter in seinen Bildern und Beispielen, viel umfassender in seiner Kritik, die nichts Verächtliches hat, sondern die versteht. Ein tragisches Geflecht: eins erwächst aus dem anderen, niemand ist schuld oder böswillig, es ist nur alles traurig, so traurig. Und die traurige Wahrheit war so schön, dass ich merkte, wie es mich rührte und ich schluckte und sah, dass alles ganz still geworden war. Taschentücher wurden gezückt und verstohlen die Augen gewischt und auch Adrian lauschte gebannt, mit tränennassem Blick.

Wie in einem Musical drapierten sich die blonden Sekretärinnen um die eine blonde Sekretärin, der das Lied galt und die in meinen Augen plötzlich erhaben und kalt aussah. Gar nicht gewöhnlich. Nichts konnte ihr etwas anhaben, der schiefe, bunter Spitzhut ihr keine Lächerlichkeit anhängen. Der Schmerz der anderen war aber echt und nicht aus der Welt zu schaffen. Sie fühlten den Schmerz eines ungerechten Zurückgewiesen-seins und hatten Recht damit. 

Dann verlor sich der Traum ins Banale. Ich merkte, ich war bei der Preisverhandlung einer CD mit ebendiesem Musical übers Ohr gehauen worden. Ich grummelte und konnte mich auch nicht damit trösten, ein Meisterwerk mit nach Hause zu nehmen. Ich erinnerte mich, der CD-Spieler hatte schon vor langer Zeit seinen Geist aufgegeben. 

🐾 Panthapapers

Freitag ist Feiertag in Thailand. Das ist zwar nicht ganz richtig, Samstag ist der einzige Tag in der Woche, an dem ein gewisser, wohlhabender Teil der Bevölkerung frei hat. Aber für Freitag Nacht werden die Hotelzimmer gebucht.

Zumindest legen das die Reservierungs-Apps auf unseren Handys nahe. Wenn es aufs kurze Wochenende zugeht, muss man in Deckung gehen, muss ein Versteck, eine kleine Preisinsel finden, die von den gierig-gefräßigen Algorithmen nicht entdeckt wurde. 

Dann Köpfe runter, nicht bewegen und warten, bis die arbeitende Bevölkerung wieder abzieht. Doppelt gemein, dass man es von denen nimmt, die am meisten sparen, aber das sind natürlich die Gesetze des Marktes, die greifen.

Wir verbuddeln uns für eine weitere Nacht in einem dieser Reservate und tarnen uns so gut es geht mit Schwimmsachen und Abendklamotte als reguläre Feriengäste. Ob man’s uns abnimmt, ich zweifel daran. Aber der Algorithmus schert sich nicht um Individuen, zum Glück, jedenfalls noch nicht. Morgen geht’s weiter.

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