
🦄 Ponypapers
Das tropische Paradies mit all den Palmen und Kokosnüssen will gar kein Ende nehmen. Wir fahren auf kaum befahrenen Wegen, nur ab & zu rast ein Pick-up-Koloss an uns vorbei, jagt uns eine Hundemeute oder quält uns eine Steigung erbarmungslos. Aber was sage ich, auf Megawatt fliege ich ja geradezu dahin und sollt uns das Unglück passieren, auf dem Disney-Chanel überfahren zu werden, werden die spaghettifizierten Figuren danach einfach wieder aufspringen und die Lastwagenabdrücke aus ihrem Rücken schütteln, dem schlangenlinienschlingernden Lastwagen mit der Faust drohen, dann nach den Fahrrädern greifen und auch dort alle Beulen und Knautschungen kräftig herausschütteln, bis sie sich getrost wieder drauf schwingen können.
Unser Hostel ganz in der Nähe des Meeres liegt etwas abseits zivilisatorischer Annehmlichkeiten, aber erfreut als kleiner Holzbungalow mit vorgesetzter Terrasse mein Gemüt. Als ich mich kurz aufs Bett schmeiße, ja nur kurz, wir wollen doch noch den ganzen, langen, sonnigen Nachmittag genießen, finde ich Bücher! Oh Bücher! Herrliche, herrliche lateinische Buchstaben. Schmatzend entstehen Tonfolgen in meinem Hirn, als ich mir die Überschriften auf der Zunge zergehen lasse. Eins ist natürlich Schund und ich würd ja fast sagen, es sei zu verbrennen. Aber es gehört sich, nicht Bücher zu verbrennen, auch keine schlechten.
Das andere “Hot Plastic” von Peter Craig (kennt den jemand?) muss indes aufgeschlagen werden. Hurtig folgen die Äuglein den Zeilenumbrüchen, gieren nach Kommapausen, freuen sich über Punktendungen. Nun, es ist auf Englisch, das muss ich zugeben, dadurch geht viel verloren, da muss man Abstriche machen, nicht zuviel erwarten. Aber oh, es ist eine Gaunergeschichte und man ist unterwegs auf der Straße, wie wir unterwegs sind & es geht in heruntergekommene Hostels und glitzerglänzende Hotels und diesmal muss ich nicht beneiden, nicht nach der Ferne und der Fremde gieren, bin in der Fremde und nur eine dünne Membran müsst zerreißen und der Gauner und ich würden tauschen. Ich wär im Buch, der Gauner real – ich unsterblich, der Gauner endlich. Letztendlich: Ich fänds nicht befremdlich.
🐾 Panthapapers
Die Vietnamesen können nur selten Englisch sprechen. Es ist mehr als verständlich, dass der Erwerb dieser Sprache für sie keine Priorität hatte. Die Kambodschaner sind auffällig bewandert im Englischen. Bei den Thais muss man statuieren, dass sie – ähnlich wie die Franzosen – wohl könnten, aber schlicht keinen Bock haben.
Vielleicht ist es der stille – ja, stille – Aufstand gegen den friedlichen Belagerungszustand, unter dem Thailand seit Jahrzehnten steht. Touristen aus aller Welt branden Generation für Generation in immer neuen Wellen an die Gestade dieser strändereichen Nation, von den Hippies in den 70ern bis zu den Proletariern der Gegenwart.
Irgendworin möchte man sich nicht anpassen an die Fremden. Irgendworin sollen die mal.
Die Sprache als Refugium des Protestes, der Unangepasstheit. Man will, man will die Zahlen einfach nicht lernen, und wenn es das Geschäft noch so belebte. Nun ja, jedenfalls manche nicht. “Do you speak Thai?”, ist eine häufige Frage der Einheimischen, und sie scheidet Touris von Menschen.
Schade, dass wir nicht zu letzteren gehören. Aber um freundlich zu sein, überwindet man selbst diese Vorbehalte zuweilen. Als wir jemandem sein Wasser nicht abkaufen wollen, weil wir es für überteuert halten, beschreibt er uns gerne mit seinen paar Brocken Englisch den Weg zum nächsten Minimart, wo es die Flaschen für einen Bruchteil seines Preises gibt.
Wahrlich, das war nicht in seinem Interesse, das hätte er nicht gemusst. Das müsste man eigentlich “Ausländerfreundlichkeit” nennen. Aber ich glaube, das Wort gibt es nicht im Deutschen.

