
🦄 Ponypapers
Weiter geht’s Richtung Süden, Richtung Äquator & Urwald und die westlichen Touristenströme nehmen merklich ab. Naja, so merklich auch wieder nicht, eher deuten Indizien darauf hin. Es wird schwierig, die Preise von Unterkünften im Vorhinein zu erfahren, Hostels sind kaum noch über agoda oder booking.com zu buchen. Nach guten 60 km bei 35 Grad und 90 % Luftfeuchtigkeit nimmt der Elan bei Preisverhandlungen, bzw. die Motivation zur nächsten Unterkunft zu fahren, merklich ab.
Endlich kommen wir bei unserem Ziel am Strand an. Die von den Rezensionen als günstig empfohlene Unterkunft kostet stolze 1200 Baht und wir verziehen uns wieder. Direkt daneben liegt immerhin unsere Alternative, die bei Ankunft zunächst wenig Existenzwahrscheinlichkeit verspricht.
Aber 15 Meter weiter, das könnte sie sein, diese Garagenreihung mit den zugezogenen Fensterläden. Fehlt eigentlich nur noch der Besitzer, der aber schwupps die wupps wie ein zauberhaft, fliegender Händler aus einer Dunstwolke mitsamt Ehefrau erscheint. Ehe man sichs versieht, hat man das Zimmer gezeigt, ist das Bett bezogen. Alles in Ordnung? Keine Ahnung, aber mit 600 Bath nur halb so teuer und schon wird genickt und wir dürfen rasch das Zimmer beziehen. Ob da jemand unter Haarausfall gelitten hat? Ich schnappe mir erstmal einen Besen (welch ein Glück, der edle Stengel lehnt an einer Wand) und fege alles nach draußen über die Schwelle und die zwei Treppenstufen. Hm, da liegt ne Spritze.
“Du, da liegt ne Spritze.” Adrian streckt seinen Kopf aus dem Zimmer: “Ach, das könnte doch alles mögliche sein.”
So kann man das aber nicht unkorrigiert stehen lassen: “Sie kann für alles Mögliche gewesen sein. Aber ne Spritze ist’s doch.”
Dagegen hilft kein weiterer Einwand. Wir gehen wieder rein und ich besprühe sorgfältig alle waagerechten Flächen mit unserem Desinfektionsspray, blicke kritisch in Richtung des violetten Samtsofas, – ach, ich glaube, dessen Existenz beschließe ich einfach zu leugnen.
Danach ist es erstaunlich gemütlich. Adrian schläft in seinem Baumwollhüttenschlafsack, ich kuschel mich in die Laken. Die immerhin wurden frisch bezogen oder … ausgetauscht. Man muss nicht über alles nachdenken. Manche Dinge sind mit Ding hinreichend erfasst.
🐾 Panthapapers
Ich weiß nicht, was sich die Ratgeber im Internet dabei gedacht haben, für Südostasien die Anschaffung eines Moskitonetzes zu empfehlen. Das würde im Schlaf zuverlässig vor den zahllosen Attacken der kleinen Blutsauger schützen, hieß es. Wir haben vorsorglich zwei davon gekauft. Ordentlich teuer übrigens die Dinger.
Aber nirgends, wirklich nirgends, in keiner Unterkunft in allen drei Ländern, die wir bisher bereist haben, fand sich auch nur ein einziger Haken, an dem man das Protektorat hätte befestigen können.
Gewiss, von solchen Metallhaken zum Schrauben haben wir ebenfalls eine eindrucksvolle Auswahl im Gepäck. Aber wir hätten eine Leiter gleich mit einpacken müssen, um sie zu verwenden. Denn man liebt hier selbst in bescheidenen Behausungen die hohen, hohen Decken.
All die Lebensqualität sich nach oben dehnender, luftiger Räume, die man in unseren Breitengraden längst wegrationalisiert und durch das muffige Ambiente eng gedrungener Bauernstuben ersetzt hat, sieht man hier in palästren Firmamenten verwirklicht, die weit und fern wie der Sternenhimmel sich über die sonst oft so schäbigen Schlafstätten wölben.
Doch so schön das ist, einen Haken kriegt man da nicht reingedreht. Und selbst wenn man sich aus Stühlen und Hockern ein riskantes Konstrukt auf dem Bett installieren wollte und bis zu jenen entrückten Sphären aufstiege, bliebe immer noch der Skrupel, in den weißen, flachen Gips ein schnödes, bröseliges Loch zu bohren. Nebst der Leiter düfte man gleich noch ein Paket Spachtelmasse mit sich führen.
Die Moskitoproblematik haben die Asiaten, wie schon einmal beschrieben, durch Wind gelöst. Von einer Seite aus schmettert die Klimaanlage frostige Nordluft in die Raummitte, von einer anderen Seite drückt ein stets hochmotivierter Ventilator die Gasmassen zu Sturmwinden in Orkanstärke zusammen. Kein Morgen, an dem man nicht mit zerzausten Haaren und innerlich verwirrt aus den Federn steigt.
So ergeht es uns auch heute Nacht. Das Moskitonetz liegt tief im Gepäck. Ich würde es wirklich gerne befestigen. Doch die Lebensqualität ist einfach zu hoch.

