
đŠ Ponypapers
Lili hat einige gĂŒnstige Hostels in der nĂ€chsten Stadt gefunden. Sie sind so zahlreich gewesen, dass sie sich nicht entscheiden konnte & Dagobert das Heft in die Hand genommen hat. Dagobert hat sich fĂŒr das 6 Euro Hostel entschieden.
Unsere frĂŒhe Fahrlaune wird von einem geplatzten Reifen gedĂ€mpft. Es sind mal wieder Megawatts Hinterhufe, die Probleme machen.
Ist schon das zweite Mal diese Tage und immer derselbe Reifen. Habe mir ja auch den Reifen angeschaut, als wir wegen Calli beim Pferdedoktor waren, und tatsĂ€chlich, das Profil ist ziemlich abgefahren & das darf ja auch der Fall sein nach guten 4000 km. Ja, da habt ihr richtig gehört. Adrian, Calli & Megawatt sind heute ĂŒber die 4000 km Marke gerannt & ich bin drĂŒber geflogen.
Nun aber kauern wir am Wegesrand, Adrian repariert & ich hab ein schlechtes Gewissen. Lili hat sich nÀmlich anstatt eines neuen Reifens zwei Sonnenbrillen gekauft, von denen sie eine direkt am selben Tag verloren hat.
Und auch da hat Dagobert entschieden. Geld ist ausgegeben, fĂŒr Nonsense â umso schlimmer â, also gibt’s keinen neuen Reifen fĂŒr Megawatt.
Und so kniet Adrian in der Sonne und repariert. Ich wĂ€re auch fĂŒr die Reperatur gewesen, aber es war eine schlechte Argumentationsgrundlage nach den zwei Sonnenbrillen.
Dabei ist das ja so eine Sache mit den GeizhĂ€lsen. Man denkt, sie seien pragmatisch, hĂ€tten alles im Griff und unter Kontrolle. Aber so ist das nicht. Geiz ist nĂ€mlich eine ganz irrationale Angelegenheit. Ich sehe das beispielsweise daran, dass der eigentliche Wert einer Sache gar nicht so entscheidend ist, wichtig sind Seltenheit & Relationen. Das Desinfektionsspray (3 Euro) hĂ€lt Dagobert fĂŒr besonders wertvoll, denn zum einen fand er den Preis dafĂŒr unangemessen hoch (er will also kein zweites fĂŒr denselben kaufen) und dann ist es noch besonders selten. Unsere zwei Desinfektionssprays haben wir nach unseren Langstreckenhusten in Hoian gekauft. Adrian, der seins oft und reichlich benutzte, hat natĂŒrlich schon lĂ€ngst keines mehr. Dagobert wĂ€hrenddessen hat unser Mittel streng reglementiert. Da wird eigentlich nur gesprĂŒht im Ausnahmezustand (Spritzenalarm) und in den wenigen anderen FĂ€llen, wo er nachgibt, blickte er streng auf die SprĂŒhstöĂe. Einen fĂŒr jede Hand, das muss ausreichen. Entgeistert folgte er Adrians Umgang mit dem Spray â das, so ahnte er, wĂŒrde bald leer sein & siehe da, Dagobert hatte Recht.
Dagobert wird auch nicht gern um 20 Cent betuppt. Da kann er durchaus auf die Rechnung tippen. Wenn Adrian ihn aber weiterzieht â man kann auch mal fĂŒnf gerade stehen lassen â grummelt er weiter: â20 Bath. Genau 20 Bath. Adrians hat 75 gekostet & Lilis 50. Dann noch die GetrĂ€nke. Nein, ganz klar, 20 Bath – 50 Cent. Können uns 50 Cent egal sein?â â Ja, können es. âIch bin mir da nicht so sicher. Das sind immerhin 10 % des gesamten âŠ. Und wenn man bei jedem âŠâ â Dagobert, halt die Klappe. âJa, ja, ich weiĂ, aber denkt nur, das ist ein halberâŠ.â â Klappe Dagobert!â
Wie auch immer, Adrian repariert den Reifen, ich schaue schuldbewusst zu. âSoll ich was halten?â Dagobert steht neben uns, schaut in den Himmel und pfeift. Zumindest der hat kein schlechtes Gewissen. Er hat 10 Euro fĂŒr nen Reifen gespart.
đŸ Panthapapers
Das Hotel, das wir fĂŒr die kommende Nacht gebucht haben, ist so unglaublich gĂŒnstig, dass ich wahrhaft gespannt bin, wie der Preis zustande kommt. Selbst die kostengĂŒnstigste Konkurrenz der Stadt wird noch um zwei Drittel unterboten. So etwas schaffen normalerweise nur Studentenverbindungen.
Es ist, wie sich herausstellt, eine absolut akzeptable Unterkunft. Zwar befindet sie sich gröĂtenteils in der Hand von Ameisen, die das komplette GemĂ€uer durchgraben und breite StraĂen angelegt haben. Sie fordern unerbittlich von jedem Gast einen Teil seiner Nahrungsmittel, gewissermaĂen als versteckte Kost. Aber das Ganze geht dermaĂen routiniert und gut verwaltet vonstatten, dass man wie bei einer kafkaesken anonymen AutoritĂ€t kaum auch nur an Einspruch denken mag.
Jeder Staat, der nicht als Civitas Dei das göttlich Gute erstrebt, ist ja sowieso, wie Augustinus sagt, nichts mehr als eine organisierte RĂ€uberbande. Und was anderes wĂŒrde man in unseren sĂ€kularen Zeiten auch ernsthaft von der Polis erwarten? Ich krĂŒmel taktisch klug meine Kekse in Bettenferne zu kleinen HĂ€ufchen, damit die emsige Republik da unten leichthin ihre Steuern eintreiben kann. Man sollte sich gut stellen mit den MĂ€chtigen und dem Kaiser geben, was ihm gehört.
Bei jeder Bewegung eines SĂ€ugetiers blöken die zahlreichen Ăberwachungskameras vor der TĂŒr âWiFi-Connection established!â Vielleicht ist das der Grund fĂŒr den geringen Preis. Aber nachts wird es ganz still. Alle schlafen. Nur die Ameisen verrichten ihr Werk, wĂ€hrend das Menschenvolk ahnungslos ruht. So wie es die wahrhaft MĂ€chtâgen eben tun.

