
🦄 Ponypapers
Adrian hat mir letztens von Kafkas brieflichen Verführungen erzählt: Das Werben, das Warnen vor seiner Person, die enttäuschende echte Begegnung, das briefliche voneinander Abstand nehmen. All das erinnert mich natürlich auch an Kierkegaard und das Tagebuch eines Verführers.
Die spannungsreiche Erwartung, die flügelschießende Fantasie, die sich vorbereitet für die nächste Idee, die jedes Erleben schon literarisch verarbeitet oder für ein Gespräch parat legt. Interessante Ideen zu suchen, mit denen man bezaubern und interessieren kann, ja überhaupt die Gesprächskunst vergangener Zeit etc. etc.
Denke, dass der Lebensstil der Verführung nicht nur aus der Mode gekommen, sondern durch die geänderte Lebenswelt geradezu verunmöglicht wurde. Diese über Monate oder gar Jahre sich erstreckende Verführung, die literarische Anheizung des Gefühls durch den Intellekt, das sich Näherkommen & Entziehen, all das war doch nur möglich, weil am Ende die Verlobung – die Hochzeit, die Bindung auf Lebenszeit gestanden hätte. Nicht, dass diese je das Ziel der Verführung wäre, ganz im Gegenteil, die mögliche Verlobung ist nur Mittel der Verzögerung, der Intensivierung und als Ziel das Ende und sofortige Rückzugspunkt – man möge mich da nicht falsch verstehen.
Aber wie viel Spannung zustande kam, indem man dem einen Spielpartner — dem Unterdrückten, also der “ehrbaren” Frau – ein Sexualleben jenseits der Ehe verwehrte. Der schlichte Koitus, die Entehrung der Frau, durfte von dem romantisch Liebenden ja selbst nicht gewünscht, nicht durchgeführt werden. Dies gilt selbst im Tagebuch, sofern Erfüllung & Tod des Gefühls letztlich zusammenfallen.
Aber heut kann man ja alles ausprobieren. Man hat gewonnen, bevor das Spiel überhaupt begonnen hat. Und wer nicht sofort gewinnt, glaubt sofort, eine lächerliche Gestalt abzugeben. Wie traurig, dass sich alles so billig ineinanderfügt, könnte man meinen. Die einzige Möglichkeit, im Modus der Verführung zu leben, heißt, sich tatsächlich jemanden zum Ziel zu erwählen, den man nicht bekommen kann. Aber ist es nicht das Reich des “Dazwischen”, welches es so spannend macht? Den anderen fast von sich überzeugt zu haben, um ihn dann zu warnen, abzuschrecken, bis dieser erwidert: “Und wenn du auch ein Monster wärst, es wäre mir egal.”
Immerhin: “Wie viele Monster laufen herum & kennen sich nicht?”
Frage für den Analytiker. Wie viel Fratze hast du schon deinem Partner gezeigt? Mit welchem Ziel?
🐾 Panthapapers
Wir kommen immer weiter Richtung Süden, auf Malaysia zu. Das ist, wie auch Indonesien, vom Islam geprägt. Angeblich wird er dort sogar besonders streng ausgelegt. Neulich fanden wir uns unerwartet in einem Dorf wieder, das offenbar hauptsächlich von Muslimen bewohnt wird. Die meisten Frauen trugen Kopftücher und lange Gewänder und als wir aus dem Seven-Eleven traten, sang der Muezzin vom nächsten Minarett aus sein Gebet. Das war ein kleiner Kulturschock.
Meine Rückenschmerzen und häufigen Kopfweh indes lassen mich weniger an die Großreligionen denn an den Fluch einer garstigen, schwarzen Hexe denken, die ich womöglich aus Versehen nebenbei verärgert haben mag. Wir werden erneut einen Tag Station machen müssen, damit ich wieder fahrtüchtig werde. Wie schön wäre es, jetzt mit einem kleinen Gebet nachhelfen zu können. Meinetwegen auch auf Arabisch.

