Dienstag 19.3.2024 Fahrt nach Kuah auf Langkawi / Malaysia (Rad/Auto/Fähre)

🦄 Ponypapers

Gestern Abend ist R für einen Besuch zu uns gestoßen. Ein paar Tage wollen wir gemeinsam verbringen. Ganz schön mutig. Dass er keine Angst hat, dass wir ihn nach so langer Zeit sozialer Abstinenz nicht einfach auffressen werden. Oder ihm nicht spätestens am übernächsten Tag das Blut aus den Ohren laufen wird vom beidseitigen Ohrgequatsche und -genage.

Soziale Kompetenz ist in der Tat abhanden gekommen. Lili muss aufhören, in der dritten Person von sich zu sprechen. Das mag zwar in liebevoller Zwitschersprache durchaus möglich sein und als eigenwillige Schrift-Kunstsprache von weniger kritischen Geistern noch hingenommen werden, aber sonst gehört es keineswegs zu den sozial akzeptierten Verhaltensweisen.

Dabei ist es als gelegentliche Selbstdistanzierung ein ganz probates Werkzeug & klingt doch etwas weniger überheblich als zwischen Bürger & Wolf zu unterscheiden.

Ob man N & L gewissenhaft voneinander trennen kann? Ganz passabel, denke ich, ein paar Diskrepanzen zwar inklusive, aber diese passen doch auch ganz gut ins Konzept eines nicht gar zu simpel gestrickten Modells des eigenen Selbst.

Da Adrian immer noch von Fieber geplagt wird, muss R mit meiner Gesellschaft vorlieb nehmen und das ist vll seine Rettung. Er ist einfach zu groß, als dass ich ihn allein auffuttern könnte. Und liegengebliebenes Fleisch wird hier in der Sonne einfach so schnell schlecht.

Besser ihn als frischen Proviant einpacken, denkt Dagobert, den ich keineswegs in mein Bild vom Selbst integrieren möchte. Chirurgisch entfernt, das wäre eine sinnvolle Option.

Da R sowieso mit dem Taxi zum Hafen muss, wäre es doch auch möglich, dass er an diesem Tag das Fahrrad übernimmt. Megawatt beispielsweise oder – du nimmst auch Calli? Echt? 

Mensch, der Junge ist lebendig vll doch mehr wert denn als Futter. Wir werden auf seine Ohren tüchtig acht geben müssen. 

Derweil Adrian mit einem Pick Up vorausfährt, in das auch zwei Fahrräder gepasst hätten (hüstel), rattert R auf Calli fleißig zum Hafen. Na, die beiden scheinen sich auch gut zu verstehen. Megawatt trabt brav nebenher.

Die Personalienkontrolle und Visaergatterung gestaltet sich mit unserer Bootsfahrt verhältnismäßig lässig, dann ein kurzer, knackiger Spaziergang in der brüllenden Mittagshitze, der mit einem Schlag Adrian & mich aufs Bett wirft und wir haben unser fensterloses Budget-Hostel erreicht. Glücklicherweise ist das Fieber nicht mit gleicher Intensität zurückgekehrt & am Abend kann Adrian schon wieder ein paar mitgebrachte, gebratene Nudeln verputzen. 

Puh, Glück gehabt, gestern stand mir schon ein wenig der Schweiß auf der Stirn beim Versprechen: “das wird bald wieder gut.” Aber nun ist’s ausgemacht: “Das wird bald wieder gut.” 

🐾 Panthapapers

Mein Gesicht sieht bleich, meine Augen rot, meine Haare schmierig aus. Ob sie mich so wohl über die Grenze lassen? Ich glaube nicht, dass man gerne offensichtlich Kranke und Verwesende ins Land lässt.

Ein Taxi bringt mich zur Fähre, R. fährt Calli zum Hafen, wo wir uns treffen und gemeinsam das amtliche Prozedere und die praktische Plackerei mit dem Gepäck hinter uns bringen. Eine Stunde schläfrigen Schiffschaukelns später sind wir in Malaysia, auf der Insel Langkawi und in der Nähe unseres Hotels, in dem ich mich bald wieder ins Bett fallen lasse. Wir haben’s geschafft. Wir sind über den Berg und über die Grenze.

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