Donnerstag 21.3.2024 Langkawi

🩄 Ponypapers

Zeit, sich eine hĂŒbschere Bleibe zu suchen. Einmal auf die andere Seite zum Sonnenuntergangsmeerblick, 20 km durchs hĂŒgelige GelĂ€nde. Da Adrian immer noch angeknackst ist, bietet Raf an, mit dem Fahrrad zu fahren und Adrian den Roller zu ĂŒberlassen. 

“Und du willst wirklich Calli nehmen?”

“Schon in Ordnung.”

Heißa, ich werde mich hĂŒten, noch ein zweites Mal nachzufragen. Aufgrund meiner Hitzeuntauglichkeit will ich frĂŒh um 8 losfahren, Raf wegen fehlender Zeitgewöhnung spĂ€ter, Adrian ist flexibel und so fahren wir drei leicht versetzt los.

WĂ€hrend ich schon das Hostel beziehen darf und es mir dann mit Kaffee und Block unter den BĂ€umen im Schatten gemĂŒtlich mache, jagen Adrian & Raf ĂŒber die Insel. 

Dann nach einiger Zeit kommt erst Adrian, dann Raf an. Die Stimmung wirkt allerdings etwas geknickt, was nicht etwa daran liegt, dass Raf den alten Klepper an allzusteilen StĂŒcken an der Hand fĂŒhren musste & auch nicht daran, dass ihn die Affen angriffslustig umkreisten, als er auf dem lahmen Gaul gemĂ€chlich heran getrabt war, sondern er macht sich vielmehr Sorgen wegen dem Scooter. Bei der Verleihung hat er nicht arg achtgegeben, vermutlich 20 Euro zu viel gezahlt, ne Quittung hat er auch nicht, weder ĂŒber den Verleih noch ĂŒber den Pfandbetrag.

Und auch Adrian sieht nicht so glĂŒcklich aus, er hat den Scooter auf den Weg getankt, 5 Myr – 1 Euro – solltens sein. Mit Karte hat er bezahlt und wie sich jetzt herausstellt, sind aus dem einen Euro 40 geworden. Die Angelegenheit als Missgeschick auf sich beruhen lassen, versuchsweise lieber mal das Beste hoffen oder doch klar Schiff machen & sich nicht alles gefallen lassen, hm?

Gemeinsam steigen Raf und Adrian auf den Scooter, ich drĂŒcke ihnen & mir die Daumen, wĂ€r doch fein, wenn es noch nen netten Abend geben kann.

Zu meinem Erstaunen strahlt Adrian ĂŒbers ganze Gesicht, als er wiederkommt. “Man denkt, die Welt ist schon ziemlich zivilisiert, aber in Wirklichkeit muss man einfach mal aggressiv sein.” Ich gucke erstaunt hoch und lege das Buch beiseite. “Das mĂŒsst ihr mir genauer erzĂ€hlen”. Ich folge nach draußen zu den Tischen, wo Raf gerade einen weiteren Kaffee aufbrĂŒht. 

“Die Menschen haben einfach genug Actionfilme gesehen, um glauben zu können, dass sie sich selbst in einem befinden.”

“Wie Adrian durch die Reihen mit den MotorrĂ€dern gegangen ist, das hat ihnen richtig Angst gemacht.”

“Wir haben noch vorher gehalten, um unsere Strategie zu besprechen. Da haben wir uns gegenseitig wohl etwas hochgeschaukelt.“

“Zuerst waren wir bei der Tankstelle. Da hat Raf schon so die SchlĂŒssel auf die Theke geknallt.” Ich muss lachen, die beiden sehen so gut gelaunt aus, als hĂ€tten sie gerade ein paar Pferde gemopst und ja, irgendwie kann ich’s mir auch ganz gut vorstellen, wie sie da so reingehen


Die Lorbeeren wollen sie höflich stets dem Anderen ĂŒberlassen. “Als Raf gesprochen hat, hat man einfach gespĂŒrt, dass das jetzt ernst ist und nicht mehr locker. Ganz, ganz freundlich wurden sie da und Zack hatten wir das Geld zurĂŒck.”

“Ja, aber bei der Tankstelle zuvor hatte es erst richtig Fahrt aufgenommen. Da kamen wir in Stimmung und als A
” Erneut fröhliches Lachen.

“Man denkt, es ist in der Welt kein Vorteil mehr, ein Mann zu sein. Aber da tĂ€uscht man sich.” Ich, die ich auch gerne ab & zu ein Mann wĂ€re, nicke verstĂ€ndnisvoll, hab mir doch immer gedacht, dass es von Vorteil sein kann, so auszusehen als wĂŒrde es auch wehtun können, wenn man die FĂ€uste ballt.

“Und so war beides erfolgreich?”

“Ja.”

“Wow.– Also einfach mal aggressiv sein?”

“Ja.”

“Nein.”

Ich stutze, hat Raf da gerade Nein gesagt?

“Wie jetzt? Ihr seid zur Tankstelle und habt ordentlich auf den Putz gehauen?”

“Ganz zivilisiert gefragt haben wir. Wie das zustande kommt. Und es ist ein Pfandbetrag. Der wird in drei Wochen zurĂŒck gebucht.”

Ich gucke sie kritisch an.

“Ja, sie waren sehr freundlich & bemĂŒht alles aufzuklĂ€ren.”

“Die mĂŒssten schon richtig gut lĂŒgen können.”

“Und beim Verleih?”

“Da habe ich mich vertan. Habe gar nicht so viel Geld ausgegeben. Die haben uns sogar die Überwachungskamera gezeigt, als ich bezahlt habe.”

“Ja, das wĂŒrden sie so nicht machen, wenn sie betuppt hĂ€tten.”

Und so, schwupps die wupps, haben sich die UnglĂŒcke fĂŒr den Tag in Luft aufgelöst. Niemand wurde betrogen, niemand wurde bedroht. Alle sind glĂŒcklich und es gibt ein herrliches Festmahl vom Markt am Abend. 

Aber ob wir jemals die 40 Euro wiedersehen? Sowas kann bei der guten Stimmung auch nur Dagobert fragen. Und was sagt man dazu? “Klappe Dagobert!”

đŸŸ Panthapapers

Heute suchen wir uns eine schönere Bleibe und wechseln auf die andere Seite der Insel. R. fÀhrt Calli, wÀhrend ich mich noch schonen und auf dem von ihm geliehenen Motorrad die Strecke rollen lassen darf.

Nach kurzem Halt an der Tankstelle verfolgen mich allerdings ungute Gedanken. Zwei lĂ€ppische Liter Benzin mit der Kreditkarte bezahlt und kurz danach meldet mir mein Handy einen Kontoabzug von 39€. Je mehr ich darĂŒber nachdenke, desto sicherer werde ich, dass ich die TankfĂŒllung meines SUV-begeisterten Vormannes beglichen habe.

R. wĂ€hrenddessen argwöhnt, dass er vom Motorradverleih betrogen worden ist. So machen wir uns erneut auf, mit genug rechtschaffener Empörung im GepĂ€ck, um guten Gewissens eine Tankstelle und ein Kleinunternehmen zu ĂŒberfallen. 

Aber vor Ort klĂ€rt man uns mit so viel malaysischem LĂ€cheln, Geduld und LiebenswĂŒrdigkeit auf, durchsucht penibel mit uns die Überwachungsvideos und versichert uns eindrĂŒcklich das eigene Wohlwollend, dass sich unsere maskuline Kampf- und KnĂŒppelbereitschaft allmĂ€hlich in friedsamen Rauch auflöst. Die Aussicht auf eine idyllische Inselwelt und die ersten Proben der herrlichen hiesigen Essensvielfalt besĂ€nftigen noch die letzten Reste an aufrĂŒhrerischem Zweifel und Groll.

Was das Essen angeht, muss man allerdings schnell sein. Die Muslime begehen gerade den Ramadan, d.h. es wird weder getrunken noch gegessen, solange die Sonne scheint. Kurz vor Einbruch der Nacht aber öffnen die MarktstĂ€nde und bieten fĂŒr ein kurzes, wildes Gewusel ihre Waren dar.

Eilig kaufen die hungrigen MĂ€uler sich aus dem reichen Inventar ihr Abendessen zusammen, auf das sie sich baldigst stĂŒrzen werden – sobald die Sonne untergegangen ist. Ich erinnere mich an die vielen Male, in denen ich, unklug genug, hungrig einen Supermarkt betreten habe, und an das daraus resultierende Leid meiner Haushaltskasse. 

Es muss schwer sein fĂŒr die AnhĂ€nger dieser Fastenpraxis, sich nicht in kĂŒrzester Zeit mit Kuchen und SĂŒĂŸkram, mit Bergen von Reis, Fleisch, Fisch und Saucen einzudecken und sich nach dem harten Tag der Askese ungebremst in einen Rausch der Völlerei zu stĂŒrzen. Aber die Gelegenheit ist auch kurz. Maximal 60 Minuten hat man Zeit, dann schließt der Zauber wieder seine Buden und man bekommt kein KrĂŒmelchen mehr von den leergefegten Thresen. Das nenne ich intermittierendes Fasten. 

Nach oben scrollen