Freitag 22.3.2024 Langkawi

🩄 Ponypapers

Endlich geht’s Adrian wieder besser. Nur noch leichte Kopfschmerzen waren’s in der Nacht. Adrian und ich leihen uns auch einen Scooter, zu dritt wollen wir zu den WasserfĂ€llen brausen, sie sehen so schön aus, sie werden Adrian gefallen!

Weil die Verleihung natĂŒrlich etwas Zeit frisst, kommen wir leider spĂ€ter los. 10 Uhr ist’s, als wir den Fuß des Wasserfalls erreichen. Sacht rinnt das Wasser ĂŒber die glatten Steine, sammelt sich in den Becken. Also wenn dieser Ort nicht zum Meditieren einlĂ€dt, dann weiß ich auch nicht. Ein kurzer SchwĂ€cheanfall lĂ€sst mich meine Arme ausbreiten, das eine Bein anwinkeln, als könnt ich glauben, ein Blitzestrahl Erkenntnis wĂŒrde mich auf diese Weise leichter zum Ziel erkĂŒren.

Verlegenes Kopfkratzen & ein wenig profanes Foto-Klicken bringen mich auf den transzendenzlosen Boden der RealitĂ€t zurĂŒck. Nein, hier können wir nicht lĂ€nger verweilen, sieben WasserfĂ€lle haben wir vor uns, also Adrian, falls du meditieren willst oder ganz den Genius Loci aufsaugen, dann heb dir das fĂŒr den RĂŒckweg auf, da haben wir alle Zeit der Welt.

Eine Treppe geht’s nach oben, Stufen dĂŒrfen gezĂ€hlt werden, immerhin 283 steps sollens bis zum Gipfel sein, jede Stufe, die du jetzt schon hinter dich legst, muss nach der Pause nicht mehr gegangen werden. Also 15 Minuten spĂ€ter und wir sind ĂŒber dem Wasserfall. 

Auf einer BrĂŒcke darf man den Ausblick bewundern oder scharfe Bikini-Fotos von sich schießen lassen. A propos Bikini, ich reiße mir meine Kleider vom Leib und werfe mich in meinem Bikini in eines der nĂ€chsten Becken. Ja, wirklich, nach 15 Minuten Treppengang kann ich schon die SystemabkĂŒhlung vertragen. Aber auch hier verweilen wir nicht lange, denn auf dem RĂŒckweg
 

Nun latschen wir durch den Urwald, bewundern die Äffchen, die Schmetterlinge, die BachlĂ€ufe, trotten wieder Stufen nach oben, treten zielgerichtet von Stein zu Stein, ziehen uns an einem Halteseile entlang – ja tatsĂ€chlich, es geht aufwĂ€rts.

Eine halbe Stunde sind wir unterwegs, jemand entgegenkommendes antwortet auf Adrians Frage etwas von 2 œ Stunden. 

Ich muss mich wohl verhört haben, denn wir mĂŒssen ja gleich oben sein, 283 steps liegen schon lange, lange hinter uns. Und ich mein, die nĂ€chste oder ĂŒbernĂ€chste Kurve & dann sollt doch mal Wasserfall Nr. 3 auftauchen. 

An einem HolzhĂ€uschen machen wir Pause, verewigen uns ĂŒberhaupt das erste Mal an so nem Balken “wir waren hier 2024” und ich zeichne ein kleines Portrait dazu. 

Gut, dass wir im Urwald sind, um halb 12 wĂŒrden wir unter praller Sonne instantly (wie kommt dieses Wort in meinen Wortschatz?) gebraten werden, aber hier ist immerhin Schatten. Naja, meine Systemmessungen finden es trotzdem viel zu heiß und die Tomate beginnt zu reifen. Nun wird der Weg immer steiniger, immer steiler, Adrian und ich packen die Wasserflaschen in den Rucksack, die wir bislang von einer Hand in die andere gewechselt haben. Endlich ein Schild, “50 Meter”. Meinen die das in die Höhe oder in die LĂ€nge? Egal, jetzt mĂŒssen wir wirklich gleich da sein.

Es ist sage und schreibe weder das eine noch das andere. Kraxelnd, kletternd, bei schmaler werdenden Schatten, geringerer Vegetation geht’s aufwĂ€rts. Eine halbe Stunde spĂ€ter und ein Schild lockt “Nur noch 20 Meter”. Mensch, solche Wichser! 

Wir machen zwei PĂ€uschen, Raf zieht’s schon weiter nach oben
 Kann mir mal jemand verraten, warum der sich eigentlich nicht in eine Tomate verwandelt? Der kann doch nach einer Woche gar nicht richtig akklimatisiert sein? MĂŒsster er nicht winselnd noch an der zweiten Wasserfallstation liegen bei 35 Grad im Schatten & gnĂ€dig auf unsere RĂŒckkehr warten statt forsch voranzuschreiten?

Adrian wartet derweil geduldig, bis ich mich fĂŒr die nĂ€chste Wegstrecke bereit erklĂ€re. Warum eigentlich? WofĂŒr? Wo sind die WasserfĂ€lle? Niemand erwartet da oben noch fĂŒnf WasserfĂ€lle. So ist das!

Auch um Adrian tut’s mir etwas leid, ich mein, so ne 3 Stunden Wanderung ist sicherlich nichts, was man sich fĂŒr den ersten Genesungstag ausgesucht hĂ€tte. 

“Da musste dabei sein!” Und dann darf er noch nicht mal die beiden existenten WasserfĂ€lle in aller Ruhe bestaunen.

Naja, hilft nix, nach 2 œ Stunden Wanderung werden wir jetzt sicherlich nicht einfach nach unten gehen. Ein letztes halbes StĂŒndchen und wir sind bei Raf. Dass dessen Gesichtsfarbe auch nicht so arg gesund aussieht, tröstet mich ein wenig. Wir kriechen zu ihm ins GebĂŒsch – das einzige SchattenplĂ€tzchen auf dem Gipfel. Nach kurzer Erholung bestaunen wir die Aussicht, schießen Fotos. 

“Das wars wert.” Sagt Raf. Und “wollen wir dann noch zur anderen KĂŒstenseite fahren? Da gibt’s auch WasserfĂ€lle und einen langen Strand.” Mensch, der Junge hat echt Hummeln im Arsch. Ich murmel etwas von “Mal sehen, wenn wir wieder unten sind” und werfe misstrauisch noch einen Blick in die Tiefe. Zugegeben, so ein Blick auf eine Bergkette von oben ist schon was, das kann man nicht leugnen, aber wollen wir denn vorzeitig den Tag vor dem Abend loben?

Ich erspare die ausfĂŒhrliche Beschreibung unseres Abstiegs. Es ist mit einem Wort “anstrengend”. Nach Ÿ der Strecke sind trotz aller PrĂ€vention unsere 4 œ Liter Wasser restlos aufgebraucht. Nur zur AbkĂŒhlung werfen wir uns schnell ins Becken bei Wasserfall Nr. 2, verzichten auf transzendente Meditationspausen bei Nr. 1 und stĂŒrzen Richtung des rettenden CafĂ©s, das Adleraugen Raf erblickt hat. Unsere Rettung, die Zivilisation, hier symbolisiert durch die Dreifaltigkeit von Cola, Sprite & Schweppes.

So fĂŒhlt sich der Himmel an.

đŸŸ Panthapapers

Wir leihen uns einen zweiten Motorroller und fahren zum Fuß des Berges “Gunung Machinchang”. Dort haben R. und Lili vor zwei Tagen sehenswerte WasserfĂ€lle entdeckt. Die Schilder vor Ort erwecken den Eindruck, man wĂŒrde Stufe um Stufe bergauf wandern und immer neue herrliche PlĂ€tscherbecken zu Gesicht bekommen.

Dem ist aber nicht so. Der “Peak” befindet sich stets in einem nicht nĂ€her definierten oder durch unidentifizierbare Angaben unklaren Abstand, wĂ€hrend der Weg immer steiler und anspruchsvoller wird. Nach mehreren Stunden Klettern ĂŒber Stock und Stein in brutzelnder Mittagshitze erreichen wir verschwitzt endlich den Gipfel auf ĂŒber 700 Metern Höhe.

R. ist bereits voran gestiegen, weist auf die besten Spots zum Fotografieren und fĂŒr die Aussicht hin. Wir schießen zu dritt ein paar Bilder – nun nicht mehr geschĂŒtzt durch Vegetation der vollen Sonne ausgesetzt –, verzehren fix einige Snacks und dann geht es mit dem wenigen verbliebenen Wasser an den anstrengenden und teils riskanten RĂŒckweg.

Die Wanderer, denen wir begegnen, sehen bei weitem nicht besser aus als wir. Ein GlĂŒck, dass doch noch eine der zu Beginn verschlossenen Bretterbuden zu FĂŒĂŸen des Berges seine Gitter entfernt und die KĂŒhlschrĂ€nke öffnet, so dass wir unsere ausgedörrten MĂŒnder neben den anderen Abenteuerlustigen mit all den leckeren GetrĂ€nken begießen können, von denen ich zuvor so lebhaft getrĂ€umt habe.

Mit mĂŒden Gliedern sitzen wir spĂ€ter in den Abendstunden gut genĂ€hrt nahe am Strand vor unserem Hotel. Von weit weg und hier unten sieht der Berg gar nicht so hoch aus. Seltsam, wie das tĂ€uschen kann, denk ich bei mir, als ich ins Bett kippe

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