Samstag 13.4.2024 Langkawi

🦄 Ponypapers

Nach einigen Tagen braver Nietzschearbeit mach ich heute einen Tag frei. Man könnte ja mal wieder irgendwohin fahren. Megawatt jedenfalls ist startklar. Adrian guckt derweil eher verträumt aus der Wäsche und ja, um mit Calli aufzubrechen, da braucht’s schon ein ganz anderes Kaliber Motivation.

Etwas Vernünftiges gibt es sogar zu tun, bevor wir wieder zurück zur Straße kehren. Megawatt braucht dringend neue Hinterhufe. 15 km bis zur Fahrradwerkstatt erinnern mich daran, warum wir eigentlich immer so früh aufgestanden sind. Und ja, es hat keine fünf Tage gebraucht, um mich zu meinem alten Wach- und Schlafrhythmus zurückkehren zu lassen. Ich leere die Anderhalbliterflasche und wische den Schweiß von der Stirn, während Megawatt neu behuft wird. Das ist bei Megawatt natürlich ein etwas komplizierteres Unterfangen als bei Calli, aber schließlich stehe ich nach einer halben Stunde wieder blinzelnd in der brütenden Mittagshitze. Noch 7 km bis ins touristische Städtchen, wo ich einen Bummel machen und ein paar Souvenirs kaufen möchte. Obwohl mir das Geldausgeben Spaß macht (50 Ringgit für Megawatt), diverse für Kleinigkeiten, erledigt es mich doch ziemlich. Vor der Rückfahrt hänge ich noch kurz im Schattenplatz eines Cafes und genieße einen außergewöhnlich leckeren, großen Mangolassi und einen heißen Cappuccino. Sodann mache ich mich auf den Rückweg. 

Die ersten 10 km sind ganz passabel. Es ist nur wirklich, wirklich heiß, aber dann macht mein Magen eine halbe Umdrehung – ohoh der Mangolassi – und ich überlege ob ich’s noch bis zum Paradies schaffe. Ungefähr 1 Minute denke ich sehr wohl, dass 10 km noch drinnen sind, aber die 2. Minute gibt Anlass zu Zweifel. Glück im Unglück habe ich mich von Mapy durch die Pampa dirigieren lassen und so stürze ich, Megawatt am Zaum führend, in den nächstbesten Wildnispfad. Dort lasse ich die Hosen runter und werde den größten Teil Mangolassis los. Es ist wirklich sehr heiß, das plötzliche Stehenbleiben, all das ist nicht sehr gut. Es führt umgehend zu einem Schweißausbruch und der Schweißausbruch sorgt für einen Schwarm Mücken. Während ich mich hektisch mit beiden Armen rudernd in schmählicher Hockposition mit Mückenspray besprühe, entledige ich mich des nächsten Teiles von Mangolassi. Ich verkrieche mich mit Megawatt, Mückenspray und der glücklicherweise vorhandenen Riesenrolle Klopapier noch tiefer ins Gebüsch. 

Eine halbe Stunde später als geplant rutsche ich, endlich im Paradies angekommen, von Megawatts Rücken. Zeit für Kittys Medizin. 

Essen und Pillchen werden brav verschlungen, die Salbe aus dem Auge gewischt. Dagobert zieht Bilanz. Er ist seit gestern etwas knötterig. Dann endlich findet er ein Ziel und läuft zu Adrian, “Siehst du das? Von den 50 Ringgit für Kitty gehen 38 auf die Augensalbe? Ausgerechnet die Augensalbe. Ist denn das zu fassen?” Da können Adrian und ich nur beruhigend den Kopf schütteln. Im Alter wird man manchmal wunderlich.

🐾 Panthapapers

Wie schon erwähnt, ist unser Hotel eigentlich in dieser Woche geschlossen. Keine Managerin, keine Putzkräfte, kaum Gäste. So muss das jeden Ramadan sein. Aber offenbar sind wir nicht die einzigen, die davon wissen, dass man in der Fastenbrechen-Woche hier ungestört ein- und ausgehen kann. Ganze Großfamilien rücken mit Ausrüstung zum Picknicken und Plantschen an. “Die werden doch nicht alle in den Pool pinkeln, oder?”, fragt mich Lili mit misstrauischer Miene. Den hätten wir auch gerne für uns allein haben wollen.

Am Abend kommen die Pärchen und dinieren ungestört an den Hoteltischen. Klar, ist ja auch schön, mit Blick auf den Sonnenuntergang überm Meer den Reis in sich hinein schaufeln, paar Schlückchen Eistee die Gurgel runter und dann gemeinsam verliebt auf die Welt blicken. Machen wir ähnlich.

Vorhin kamen drei breite Männer und steuerten grinsend erneut zum Pool unserer Privatvilla, äh, unseres Hotels. “Noch mehr fremde Keime in meinem schönen Badewasser”, stand in Lili’s Gesicht geschrieben. Auf dem Rückweg ging einer der drei zu mir. Als er mich schreiben sah, blickte er aufs Meer und sagte: “A good place for healing. Very quiet, very calm.” Dann lächelte er sanft. 

Der hat ja keine Ahnung. Hier ist eine Menge los.

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