
🦄 Ponypapers
Nun wirds Zeit. Mag jemand zwei entlaufene Ponypanthas einsammeln? Mitte Juni könnten sie am Flughafen Kuala Lumpur eintrudeln.
An folgenden Kennzeichen sind sie zu erkennen:
Das eine, vorauseilend, ist schwer mit zwei großen Allzwecktaschen in Grün und Gelb beladen, sowie mit einer bisher unbestimmten Anzahl von Fahrradtaschen in Blau und Orange. Das andere Ponypantha klammert sich an einen großen Pappkarton, den kein Flugpony mitzunehmen bereit ist. Es ruft dabei unentwegt: “Nicht ohne Megawatt, nicht ohne Megawatt!”
Zur Verladung der zwei Ponypantha, besonders des hysterischen, ist eine Großpackung Ketamin zu empfehlen. Beachten Sie aber bitte die Einfuhrbestimmungen von Medikamenten in Malaysia. Sie haben von einigen Medikamenten so ein schlechtes Bild…
🐾 Panthapapers
Ich habe immer mit meinem Sternzeichen gehadert. Krebse sind nicht nur unansehnliche Schalentiere, die sich unnatürlich zur Seite bewegen wie sonst kaum ein anderes Tier. Nein, sie sind überdies scheu, geradezu feige und dabei mit ihren fiesen, dicken Scheren trotzdem nahezu bösartig. Sie blicken entweder grimmig oder doof.
Die Verletzlichkeit unter ihrem harten Äußeren korrespondiert mit ihrer feindseligen, abweisenden Art. Unter Stress werden sie auch noch, wie jeder weiß, lächerlich rot. Kocht man sie dann mit viel Geduld weich und knackt das herbe Gehäuse, tja, dann erwartet den Feinschmecker zuletzt zu seiner eigenen Enttäuschung oft nicht mehr als ein paar wenige und kleine Fetzlein Fleisch.
Auf die Gestirne projiziert bedeutet das für die Krebse unter den Tierkreiszeichen, dass sie übermäßig gefühlsbetont sind, weinerlich sogar, rührselig, melancholisch, verträumt und im Ganzen viel zu schwach für diese harte, schnelle Welt, die den Machern, den Kräftigen und den theatralischen Psychopathen gehört. Daher auch die Schale. Wer als Krebs überleben will, braucht eine Menge Chitin. Selbst um den Preis, dass man sich sein eigenes Gefängnis um den Körper baut und schließlich nur noch in Grotesken bewegen kann. Vergleiche man das mal mit der souveränen Potenz eines Löwen, Steinbocks oder eines Stiers!
Als ich heute reglos den Krebsen bei ihrer Flucht am Strand zusehe, fällt mir aber zum ersten Mal etwas Sympathisches an ihnen auf: Trotz grimmiger Grimasse scheinen sie eindeutig Freude an ihrem Spiel mit den Wellen zu verspüren. Das Wasser zieht sich zurück, sie krabbeln heraus. Buddel, Buddel, Husch, Husch. Das Wasser kommt, sie vergraben sich fix. Ja, mit der Zeit werde ich mir immer sicherer: Sie haben ihren Spaß.
Keine Meerestiere, keine Land-, Flug- oder Bergestiere, sondern Strand- und Wellentiere. Damit kann ich etwas anfangen. Das finde ich liebenswert. Nach einer gewissen Weile vergnüglicher Betrachtung bewege ich mich langsam, langsam und sachte von ihnen fort – natürlich immer schön seitwärts.
