Sonntag 21.4.2024 Fahrt nach Guar Chempedak (30km)

🦄 Ponypapers

Den Daumen, bewegungsfähig, aber nicht -willig, der unbestreitbar angeschwollen und käsig wirkt, den haben wir sicherheitshalber in einen umfänglichen weißen Verband gepackt. Da er sich vielleicht über die Sonne beschweren könnte, haben wir auch die vorgenommene Strecke auf die Hälfte reduziert. Keine Ahnung, warum uns gerade die Hitze so zu schaffen macht. Als wir in Hanoi ankamen, waren es doch auch 34 Grad? Jetzt sind es sogar 2 weniger und wir sind dennoch nach den 30 km komplett am Arsch. Beim einzig bezahlbaren Hostel innerhalb eines Umkreises von 18 km sind wir bereit, Abstriche zu machen. Bald schon krümmeln wir uns ins Bett unseres kümmerlichen Zimmers. Hoffnung birgt nur der neue Tag.

🐾 Panthapapers

Es ist schon ein paar Jahrzehnte her, dass die Multikulturalitätstheorien aus den akademischen Sphären der Anthropologie als “Multikulti” ins Feld des gemeinen Journalismus und das Jedermannsvokabular hinab sanken und sich darin zerstreuten. Wie Menschen unterschiedlicher kollektiver geistiger Prägungen überhaupt miteinander leben können und sollten, schien in den Staaten eine ebenso vielversprechende Frage zu sein, wie im Gastarbeiterland Deutschland, über die man auf Dekaden hin würde ausgiebig diskutieren, Essays verfassen und Studien erstellen können und auf diese Weise einer Menge Leute eine bezahlte Position verschaffen, die sonst mit ihren Abstraktionsgewohnheiten und ihren schriftlichen, rhetorischen oder mathematischen Kompetenzen keine befriedigende Aufgabe würden finden können. 

Hier in Malaysia ist ein perfektes Labor für alle diese Theorien entstanden. So viele unterschiedliche kulturelle Wurzeln wachsen durchs städtische Unterholz, dass einem Ethnologen ganz schwindelig werden mag bei all den Inklusions- und Exklusionsstrategien, den Zugehörigkeitssymbolen, den multidimensionalen, mehrschichtig ineinander verwachsenen Hybriditätsphänomenen, den Appropriationsversuchen, den postkolonialen Mimikry-Techniken oder anderen Hyperfokus-Details, die man in der Kulturanthropologie so gerne zu einem waag-wirren Schema hochinterpretiert. Sogar dem eifrigen Rechenfreund wird was geboten: Die Bevölkerungsanteile halbieren sich perfekt bis ins kleinste Teil hinein: die Hälfte der Malaien sind Muslime – und damit laut Verfassung überhaupt die einzigen waren Malaien –, die Hälfte der Hälfte sind Chinesen, die Hälfte der Hälfte der Hälfte sind Indigene und die Hälfte der Hälfte der Hälfte der Hälfte (also 6,25%) sind Inder. Zusammen sind sie alle überall. Und alle überall nebeneinander, miteinander, füreinander, zwischen einander. “Chinesisches Restaurant für Muslime”, Arabisch neben Han-Zeichen, englische Wegweiser und so weiter. Und für uns das wichtigste: Essen aus allen diesen Ländern. Sehr praktisch. Keine Theorie. Nur Multikulti. Und sehr lecker.

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