Montag 22.4.2024 Fahrt nach Sungai Petani (30km)

🦄 Ponypapers

Auch heute planen wir keine große Strecke. Sollte der Daumen nicht bald besser werden, müssen wir in der angestrebten Stadt einen Herrn Doktor aufsuchen. Von der Küste sind wir schon am Tag vorher aufgrund mangelnder Übernachtungsmöglichkeiten abgekehrt, auch heute geht’s nur durchs Inland und an hässlichen Schnellstraßen entlang. Ich wär trotzdem fast versucht zu sagen, dass der Fahrstil mir in Malaysia besser gefällt. Gibt es hier nicht mehr Autofahrer, die ihr Tempo drosseln? Und mehr Platz zu uns als eine Handbreit lassen? Aber nach drei Lastwagen, die mir nen halben Herzinfakt bescheren, kann ich ehrlich gesagt dieses Kompliment nicht wiederholen.

Ja, was haben wir nur die selige Insel, unser Paradies verlassen? Wie sind wir in urban cafélosen Randbezirken nüchternster Städte, grauester Straßen gelandet? Wie lang werden sie noch gehen? Wie weit noch reichen? Wo ist das samtene blaue Meer geblieben? Der Horizontstreifen der weiten Ebene? Was sollen wir noch tun, noch hoffen? Dass uns nur das Essen trösten kann?! Denn das ist zugegeben in Malaysia wirklich große Klasse! 

🐾 Panthapapers

Das Angebot an genießbarem Essen war nie so groß wie in Malaysia. In Vietnam fand man oft nicht mehr in der Umgebung als eine Suppenküche unter einem Zeltdach mit ein paar winzigen Plastiktischen und -stühlen. Oft entdeckte man eine ganze Menge knorpeliges Schweinefleisch und Bällchen aus ganz und gar unidentifizierbarer tierischer Herkunft in der Brühe. Lili aß dann kaum mehr als die Nudeln und ging hungrig zu Bett, während ich aus Anstand sowohl als aus Hunger die Knochen abnagte und das Sortiment an Wurstwaren in mich hinein beförderte. Alleine die seligen Oreos konnten das allabendlich wieder gut machen. In Kambodscha verhielt er sich ähnlich, nur dass das Essen noch seltener aufzutreiben war und die kulinarischen Höhepunkte, die die vietnamesische Großstädte hin und wieder zu bieten hatten, ganz verschwanden. Dafür hielten hie und da amerikanische Pizzen und Burger Einzug. Und in Thailand waren die teuren Touristenfallen so dicht gestreut, dass man sich selbst oft wie das zu verköstigende Wild vorkam. Gelang es einem, nicht auf, sondern vor dem Teller Platz zu nehmen, durfte man sich darauf freuen, wie das brutale thailändische Gewürzarsenal einem nacheinander sämtliche Verdauungsorgane hinunterbrannte. Vom Padthai bis zum Papaya-Salat haben die Siamesen alles in ihrer Küche so sehr mit Chili durchtränkt, dass man nach einem Besuch in diesem Land kaum noch genug Geschmacksnerven übrig haben wird, um etwas anderes oder die vage Konsistenz einer Nahrung wahrnehmen zu können. Malaysia aber ist ein Schmelztiegel der Geschmäcker, Indisch Chinesisch, Malaiisch, Westlich, alles entfaltet hier im ehrbaren Wettbewerb seine höchsten kulinarischen Finessen. Und wir werden uns durch sie alle futtern.

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