Mittwoch 24.4.2024 Fahrt nach George Town (20km)

🩄 Ponypapers

Da wir gestern noch so weit gefahren sind, ist es nicht mehr weit bis nach George Town, unserem Ziel, wo wir die nĂ€chste Pause einlegen wollen. “Perle des Orients”, das ist der romantisch vielversprechende Name, der aber nicht mehr so recht mit der Wirklichkeit ĂŒbereinstimmen mag. Die Skyline von George Town wird von modernsten und unbestimmten Wolkenkratzern geprĂ€gt. Hat Adrian nicht mal etwas von Nicht-Orten erzĂ€hlt? Die Innenstadt soll Weltkulturerbe sein, aber von der sehen wir zunĂ€chst nicht viel, nach der FĂ€hre, auf deren Ablegen wir in heißester Sonne und unter Motorabgasen warten mĂŒssen, freuen wir uns schon auf die mittĂ€gliche Kapitulation im Hotelbett.

Ein Paradise-Hotel etwas heruntergekommen, alt, aber am Meer und mit Pool (fĂŒr mich) und FrĂŒhstĂŒck (fĂŒr Adrian), darauf konnten wir uns schnell einigen. So schlecht lebt sich’s nicht in 45 qm großen Wohneinheiten der wolkenkratzenden Verstandesgeburten und den ElfenbeintĂŒrmen der heutigen Zeit. Wir werfen uns aufs “King-size-Bett” und stellen fest, auch dieses hat eine recht seelaugende Matratze.

đŸŸ Panthapapers

Dass der Kapitalismus die FĂ€higkeit hat, alle seine externen WiderstĂ€nde und WiderstĂ€ndler einzusaugen und sie in ein produktives Submilieu zu verwandeln, hat die Linken seit jeher zu Verzweiflung gebracht. Die MĂŒslifresser hat man zum gesundheitsbewussten Öko-Klientel umcodiert. Das Aussteigertum der Hippies ließ sich als Selbstverwirklichungsdrang interpretieren und fĂŒr den Markt Ratgeberliteratur fruchtbar machen. Die Insignien der Rebellen konnte man in jeder Generation erneut zu einer Modewelle umgestalten. Egal ob Lederjacke oder NietengĂŒrtel, es fand sich schon kurz nach Erscheinen in den Mainstream-Regalen von H&M. Wir setzen heute mit der FĂ€hre nach Georgetown ĂŒber und machen unterwegs im “Postcardshop” halt. Darin gibt es, wie zu erwarten, zahlreiche Postkarten. Aber auch eine gediegen verschrobene Halle mit dem Flair von kreativ chaotischem KĂŒnstlertum gehört dazu. Schmierereien, bröckelnder Putz, flatternde Ventilatoren, Farbe und Stoff. 

Man hat aus dem Kaputten und Weggeworfen doch noch was gemacht. LĂ€ssiger Stil, ein paar kleine Souvenirs, ein knuddeliges CafĂ©, ramponierte Ledersessel, ein Aschenbecher. Wie cool. Wie gerade richtig hĂŒbsch verlottert. Als hĂ€tte man den Zufall perfekt durchdacht. Geplantes Chaos. Ein wenig unheimlich, finde ich. Aber uns Touristen gefĂ€llt es natĂŒrlich trotzdem gut. Ein Hauch von Freiheit. Sehr clever. Ja, diese Zeit hat wirklich jedem was zu bieten. Ich bestelle einen “Banana Granita” und versuche, den Duft der fröhlich bunten Avantgarde einzusaugen. Aber der ist, glaube ich, doch schon verweht. Auch egal. Schöne Postkarten haben Sie hier.

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