Mittwoch 1.5.2024 Fahrt nach Seberang Perai (60km)

🦄 Ponypapers

Brechen früh, viel zu früh auf, müssen die Fähre nehmen, die uns heute zügig übers Wasser setzt, aber trotzdem unsere Morgenzeit mit einem einzigen Happen verspeist, sodass wir uns bereits im Vormittag befinden. Direkt bei der Ausfahrt von der Fähre, wo Adrian Megawatt entlädt, um dem Geräusch auf die Spur zu kommen, dem Schleifgeräusch, das das Pferdchen nun unentwegt von sich gibt. Das Hinterrad wurde nicht richtig eingesetzt, also muss herumgeschraubt und Megawatt umgedreht werden, ein Prozess, den ich nur mit Misstrauen verfolgen kann, denn ich habe den Eindruck, dass mein Pferdchen gar nicht gern kopfüber hängt. Ach ja, die Bremsen. Nun ja, wer braucht schon Bremsen?

Megawatt neu gesattelt, irgendwas stört jetzt beim Treten, erneute Pause, Herumgezerre am Gepäck, dann geht’s wieder auf die Dreispurige ohne Seitenstreifen. Da wär mir doch ne deutsche Autobahn mit Seitenstreifen lieber, so ist das.

Um 12 sind wir gerade mal läppische 10 km gefahren. Machen ne Pause, gibt teuren Kaffee und ein Toast für Adrian, dem die Sonne und die Reparaturen zusetzen. Stimmt, Megawatt gibt immer noch Geräusche von sich. Dann fahren wir weiter. Ne Bruthitze ist das, nur dass da nichts ausgebrütet wird, zumindest keine produktiven Gedanken. Nein, die Gedanken bei solcher Hitze brüten Wutgedanken aus. Mir fällt beispielsweise auf, dass bisher noch kein einziger Fahrtag in Malaysia ein schöner und guter Fahrtag war. Alles Gute, was man über malaysische Fahrtage sagen kann, ist, dass man noch etwas über sie sagen kann. Hinterher. Zwei Busse fahren in nem 10 cm Abstand an mir vorbei und der Grund, warum ich nicht auf den nebenliegenden Grasstreifen ausweiche, ist, dass das Gras nass und der Boden abschüssig ist und ich meinen Kopf schon gebettet auf der Straße sehe, bereit um dem nächsten Lastwagenreifen ne guten Nacht zu wünschen.

Bei Kilometer 45 platzt Megawatts Hinterreifen und wir haben noch Glück im Unglück, weil wir bei ner Fressbude sitzen und Dose um Dose Cola trinken können, bevor Adrian sich erneut Megawatt zuwendet… Alles in allem kommen wir um halb sechs mitten im Gewitter bei unserer Unterkunft an. Klatschnass inzwischen, aber es macht auch keinen Unterschied mehr, Schweiß, Regen – Tränen. Nachdem der Himmel sich kräftig ausgekotzt hat, mache ich mich auf den letzten Eroberungszug für den Tag und bringe Essen zurück. Eigentlich noch eine Gelegenheit fürs Schicksal, einmal mit der Fliegenklatsche über uns zu fahren. Aber es lässt es bleiben. Es wundert mich doch immer wieder, wie nett die Menschen hier zu Fremden sind. Das wäre doch eine ausgezeichnete Gelegenheit für eine weitere schlechte Erfahrung gewesen.

🐾 Panthapapers

Beim Vorbeispazieren an den hyperedlen Lokalen in George Town habe ich mich mehrmals gefragt, ob man an solch erhabenen Städten in dem hochwertigen Ambiente auch höherwertige Texte schreiben würde. Japanische Regale, kleine Teekannen aus feinem Porzellan, chinesische Schriftrollen mit Gedichten oder Sinnsprüchen ehrwürdiger alter Meister. Säße ich da drinnen zum Tagebuch schreiben, würde ich dann einen Content von anderem Format produzieren? 

Leider kostet der Kaffee über 30 Ringgit, daher bleibe ich draußen. Diese Zeilen hier notiere ich auf der zerknautschten Matratze eines günstigen Hotels. Mit dem Ergebnis müsst ihr Leben. Mehr gibt’s nicht für das Geld.

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