
🦄 Ponypapers
Ich mag Schubladen.
Am liebsten aus dunklem Holz, gerne unter dem Schreibtisch oder als Kommode und so viele wie möglich. Natürlich unbeschriftet, man sollte sich doch merken, wo was drinnen ist, ohne es sich je bewusst zu merken. Dies ist Aufgabe des intuitiven Genies. Ist ja klar.
Dennoch muss ich jetzt nachschauen, wo ich was ablege. Als Sammler kann auch ein Genie vergessen, wo er was ablegt und all das kann ja einmal Material und feingewebter Stoff werden. Also in Vietnam: da waren die meisten Fahnen aufgehängt. Häufig an Brücken aufgereiht und die roten Stoffe mit dem Stern wehten im Wind. In Kambodscha, da gab es Unmengen von Ein-Säulen-Miniaturtempeln, die man sich sozusagen in den Vorgarten stellte, nur eben ohne Vorgarten, der ist in Malaysia weniger populär als ein großer, gut geteerter Parkplatz vor dem Haus. Diese Tempel meistens in Gold oder Goldrot waren unterschiedlich aufwendig gestaltet und geschmückt, mit Lichtern und Räucherstäbchen, ein paar Kekspackungen oder einem Buddha. Auf kambodschanischen, improvisierten Müllhalden im Wald fanden solche Tempel häufig ihr letztes Heim, da lagen sie dann in Haufen übereinander geworfen, halb auseinandergebrochen und das Gold blätterte vom Beton.
In Thailand währenddessen ist die meditative Tätigkeit des Strandkehrens en vogue. Ich bin sehr froh, dass sie hierfür nicht den Laubbläser gewählt haben, unterschiedslos liebt man in Südostasien alle Geräte, die Krach machen, aber ich schätze, dies ist mehr der Textur des Strandes & Sandes geschuldet als einem neuen Trend zur Achtsamkeit. Wenig achtsam in den budhistisch weichen Landen ist auch der Umgang mit dem Gewürz der Chilischote. Haben hier die Feuerspucker ihren Ausgangspunkt gefunden?
Feuerfontänen, die den Nachthimmel erleuchteten, und Männer, die mit Feuer tanzten, fanden wir allerdings erst in Malaysia. Trotz ihrer freizügigen Eingeborenentracht kommen sie vor allem in der Nähe von luxuriösen Hotelanlagen vor, so dass ein misstrauischer Charakter vielleicht in Erwägung zöge, an ihrer Authentizität zu zweifeln. Das natürlich möchte ich mir nicht anmaßen. Lieber erfreue ich mich an der Möglichkeit, nun jederzeit, meine Kleidung bügeln zu können, sollte mich das Verlangen dazu plötzlich überwältigen. Egal in welchem Hotel, Hostel oder in welcher Absteige, ein Bügelbrett ist immer zu finden. Leider verleitet es mich zu dem Verdacht, dass wir daher in Malaysia noch fahrlässiger verkommen aussehen. Zu dem typischen westlich schweißgetränkten Gesamteindruck kann die schlampenhaft kurze Kleidung T-Shirt und Shorts bzw. Hippie-Pans addiert werden und dann, der Gipfel der Anstandslosigkeit, ist dieser Gesamtaufzug auch noch ungebügelt.
Dies bringt mich zu meiner Ausgangsüberlegung zurück. Ob Südostasiaten wohl auch Schubladen mögen?
🐾 Panthapapers
Lili findet einige Gegenstände aus ihrer Vordertasche ausgeräumt und neben dem Fahrrad verstreut. Sofort werden unsere Blicke grimmig. Diese bösartigen Malaien. Diebe und Spötter hinter ihren milden, freundlichen Grimassen. Solche bösartigen …
“Monkeys”, sagt einer der Angestellten, und versucht, uns mit einfallsreicher Gestik verständlich zu machen, was er meint. “Monkeys, monkeys.” Affen waren da und haben die Vordertasche ausgeräumt. Vielleicht haben die freundlichen Leute hier sie sogar vertrieben und die Sachen wieder zusammen gesucht. Das wird nicht ganz klar. Affen sind wir auch. Nur keine guten.